Druckschrift 
A. Cloetta's Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre
Entstehung
Seite
18
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

18

Einleitung;.

von Pharmakologen und Klinikern studirt worden und haben unsereKenntnisse über die im Organismus stattfindenden Processe namentlichdeshalb vermehrt, weil die neu eingeführten Arzneimittel meist die vonder Technik mit Leichtigkeit gelieferten cyclischen Verbindungen sind,welche in der normalen Nahrung des Menschen nur eine nebensächlicheRolle spielen.

Diese werden daher auch nicht, oder nur zum geringsten Theilim Thierkörper verbrannt, sondern, ganz abgesehen von Oxydationenund Reductionen und hydrolytischen Spaltungen, zu vielfachen Synthesenverwandt — alles offenbar zu dem Zweck, die Substanzen für die Aus-scheidung geeignet zu machen.

So werden viele Körper, an H 2 S0 4 gebunden, als Schwefelsäure-ester (gepaarte Schwefelsäuren) ausgeschieden; fast alle Alkohole werdender Glycuronsäure verkuppelt; andere Stoffe werden mit dem Essig-säurerest (entweder durch Acetylirung oder nach Art der Perkin'schen

Synthese R - C^° + CH 3 . COOH = R - CH = CH - COOH + H 2 0)

verknüpft; andere Stoffe erscheinen als Amidoessigsäure- (Glycocoll-)oder Diaminovaleriansäure-(Ornithin-)derivate; wieder andere Stoffewerden methylirt, oder wie oben hervorgehoben, sulfhydrirt: so hatdie Erforschung des Schicksals der Arzneimittel eine Fülle von Vor-gängen im Organismus kennen gelehrt, die für die Physiologie undPathologie von grösster Bedeutung sind.

Die Ausscheidung der Arzneistoffe erfolgt im Wesentlichen durchdie Nieren, aber auch Speichel, Lunge, Galle und Milch sind oft in her-vorragender Weise daran betheiligt. Besondere Beachtung verdientendlich die Ausscheidung mancher Alkaloide in den Magen, in den auchgelegentlich, was für die Therapie von Bedeutung, giftige Stoffwechsel-producte, z. B. bei der Cholera, ausgeschieden werden. — Ebenso istauch der Darm bisweilen an der Ausscheidung, bei manchen Stoffen(Metallen) sogar in hervorragender Weise, betheiligt.

IV. Indicationen; Beibringung der Arzneistoffe.

Wir setzen in unserer Darstellung die allgemeine Kenntniss derIndicationen und Contraindicationen voraus.

Indicirt (angezeigt) sind alle diejenigen Vorgänge und Mittel,welche geeignet sind, entweder die Ursache einer Krankheit von einemMenschen fernzuhalten, oder von und aus ihm zu entfernen; sodannsolche, die eine etablirte Krankheit und zwar gerade diese Krankheit(„specifisch") heilen können, oder gefahrdrohende resp. mindestensschädliche Symptome oder Beschwerden, Schmerzen und Belästigungen