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2 (1925) Untersuchungsmethoden
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Theodor Sabalitschka

Eisenbahnwagen versetzt, so ist während dieser Fahrt für den Insassen nichtsvom Fahren des Wagens zu bemerken. Daher kann der Insasse auch der Ansichtsein, daß der Wagen stehe, der Bahndamm sich dagegen bewege. Wird nun aberder Wagen plötzlich stark gebremst, so erhält der Insasse einen Ruck, das Reise-gepäck stürzt von den Gepäcknetzen herab usw., kurz, die normalen Natur-gesetze scheinen plötzlich aufgehoben zu sein. Es scheint ausgeschlossen, daßfür die im Innern des Wagens durcheinander geworfenen Personen und Gepäckstücke dieselben Naturgesetze gelten wie draußen am Bahndamm. Es kämesomit der ungleichförmigen Bewegung eine Art absolute physikalische Be-deutung zu und könnte auf sie das Relativitätsprinzip nicht Anwendung finden.1915 zeigte nun Einstein, daß diese unerfreuliche, durch die Erfahrungaber scheinbar geforderte Zweiteilung unnötig ist. Nicht die absolute Bewegungdes Zuges, sondern die Einwirkung eines plötzlich entstandenen, von Kräftendurchzogenen Feldes, eines Gravitationsfeldes, ist die Ursache, warum scheinbarplötzlich die Naturgesetze im Wagen nicht mehr gelten. Die Naturgesetze ver-ändern bei Änderung des Gravitationsfeldes ihre Form. Unsere alten Natur-gesetze gelten nur für Räume, die frei von Gravitationsfeldern sind, oderkommen wenigstens den für solche Räume geltenden Naturgesetzen ziemlichnahe; denn in Wirklichkeit gibt es natürlich keine von Gravitationsfeldernfreien Räume. Wir können also unsere alten Naturgesetze ruhig beibehalten.Nur dürfen wir nicht übersehen, daß sie andrerseits ihre Gültigkeit verlieren,sobald die Gravitationsfelder sich ändern.

Wir haben oben bereits das allgemeine Relativitätsprinzip kurz formuliert.Dabei haben wir aber nicht beachtet, daß gerade die raumzeitliche Be-schreibung im Sinne der bei der speziellen Relativitätstheorie befolgten Methodedie Benutzung von starren Bezugskörpern unmöglich macht. Über die Schwierig-keit half G a u ß hinweg, indem er eine Methode zur mathematischen Be-handlung beliebiger Kontinua erfand. Auf das G a u ß sehe Koordinatensystemsei hier nicht näher eingegangen, sondern nur d'ie mit seiner Hilfe geschaffeneexakte Formel des allgemeinen Relativitätsprinzips wiedergegeben, die lautet:„Alle G a u ß sehen Koordinatensysteme sind für die Formulierung der all-gemeinen Naturgesetze prinzipiell gleichwertig."

Der Relativitätstheorie verdanken wir bereits eine Anzahl Erklärungenfür uns bisher unverständliche Beobachtungen im Weltall. Nach Newtonsoll die Bahn der Planeten eine gegen die Fixsterne feste Ellipse sein. Beiallen Planeten, bis auf den der Sonne nächsten Planeten Merkur hat sich diesbisher scheinbar bestätigt. Durch Leverrier wissen wir aber, daß dieEllipse des Planeten Merkur nicht feststeht, sondern in der Ebene der Bahnim Sinne der Umlaufbewegung rotiert, wenn auch sehr langsam. Nach derallgemeinen Relativitätstheorie ergibt sich, daß jede Planetenellipse um dieSonne sich drehen muß, daß diese Drehung aber bei allen Planeten außer demMerkur zu klein ist, um bisher beobachtet zu werden. Bei dem Planeten Merkurberechnet sich die Rotation gleich 43 Bogen-Sekunden pro Jahrhundert, d. h.ebenso, wie bei der Beobachtung gefunden worden war.

Aus den Einstein sehen Überlegungen ergibt sich weiter, daß Licht-strahlen in Gravitationsfeldern sich krummlinig fortpflanzen. Dies müßte sichbemerkbar machen bei Lichtstrahlen, die in der Nähe der Sonne vorbeigehen;sie würden abgelenkt. Es müßte sich dadurch äußern, daß die in der Näheder Sonne erscheinenden Fixsterne, welche bei totalen Sonnenfinsternissender Beobachtung zugänglich sind, von der Sonne weggerückt erscheinen