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Theodor Sabalitschka
dem Bahndamm sitzender Beobachter empfängt die von A und B ausgehendenLichtstrahlen gleichzeitig. Sitzt der Beobachter aber im Zuge, so bewegt ersich mit M' in Richtung des Pfeiles, d. h. auf B zu und von A weg. Er eilt demvon B kommenden Lichtstrahl entgegen, dem von A kommenden eilt er voraus,er sieht also den von B kommenden Lichtstrahl früher als den von A kommenden.Der den Eisenbahnzug als Bezugskörper benutzende Beobachter ist der Ansicht,daß der Blitzschlag B früher als der Blitzschlag A stattgefunden hat. Ereignisse,welche also in bezug auf den Bahndamm gleichzeitig sind, sind in bezug aufden Zug nicht gleichzeitig und umgekehrt (Relativität der Gleichzeitigkeit).Jeder Bezugskörper (Koordinatensystem) hat seine besondere Zeit; eine Zeit-angabe hat nur dann einen Sinn, wenn der Bezugskörper angegeben ist, aufden sich die Zeitangabe bezieht. Die Physik nahm bisher stillschweigend an,daß die Bedeutung der Zeitangaben eine absolute, d. h. vom Bewegungszustandedes Bezugskörpers unabhängige, sei. Verzichtet man auf diese Annahme, soist auch der Widerspruch des Gesetzes der Vakuumlichtausbreitung mit demRelativitätsprinzip beseitigt. Daß diese Annahme auch unvereinbar ist mitder nächstliegenden Definition der Gleichzeitigkeit, ergibt sich aus den vorher-gehenden Ausführungen.
Wie läßt sich nun eine Relation zwischen Ort und Zeit der einzelnenEreignisse in bezug auf beide Bezugskörper finden, und zwar derart, daß jederLichtstrahl relativ zum Bahndamm und relativ zum Zug die Geschwindigkeit cbesitzt? Wir bedürfen dazu eines Verwandlungsgesetzes für die Raum-Zeit-Größen eines Ereignisses beim Übergang von einem Bezugskörper zu einemanderen. Dieses Problem ist gelöst durch ein Gleichungssystem, welches als,,L o r e n t z - T r a n s f o r m a t i o n" bezeichnet wird, auf das hier nichtnäher eingegangen werden soll. Jedes allgemeine Naturgesetz muß so be-schaffen sein, daß es in ein Gesetz von genau gleicher Fassung übergeht, wennman statt der Raum-Zeit-Variablen x, y, z, t des ursprünglichen Koordinaten-systems K neue Raum-Zeit-Variable x', y', z', V eines Koordinatensystems K'einführt, wobei der mathematische Zusammenhang zwischen den gestrichenenund ungestrichenen Größen durch die L o r e n t z -Transformation gegeben ist.Die allgemeinen Naturgesetze sind kovariant bezüglich Lorentz- Trans-formationen.
Ein sehr wichtiges Ergebnis erbrachte die spezielle Relativitätstheoriein bezug auf den Begriff der Masse. Bisher kannte man den Satz von der Er-haltung der Energie und den Satz von der Erhaltung der Masse; beide Sätzewaren unabhängig voneinander, die Relativitätstheorie macht sie zu einem.Nach dem Relativitätsprinzip gilt der Satz von der Erhaltung der Energienicht nur für das Koordinatensystem K, sondern auch für jedes Koordinaten-system K', das relativ zu K sich in gleichförmiger Translationsbewegungbefindet. Für den Übergang zwischen zwei solchen Systemen ist die L o r e n t z-Transformation gültig.
Hieraus und aus den Grundgleichungen der Maxwell sehen Elektro-dynamik kann man schließen, daß ein mit der Geschwindigkeit v fliegenderKörper, der in Form von Strahlung die Energie E o aufnimmt, ohne dabeiseine Geschwindigkeit zu ändern, eine Zunahme seiner Energie erfährt
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