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Tafel 76.
Rad. belladonnae.
Tollkirschen oder Belladonnawurzel, Racine de Belladonne, Belladonna Boot.
Von der Tollkirsche, Atropa Belladonna L., ist dieWurzel, sowie das ansitzende EMzom mit den Stengel-resten unter dem Namen Ead. belladonnae in Gebrauch.
Das Rhizom zeigt zwei Formentypen. Entweder ist essehr lang und stengelartig — der seltenere Fall — oder esist kurz und mehrköpfig (Fig. 1, Rhiz.). Im ersteren Fallegleicht sein Bau ganz einem typischen Stengel. Es besitztalsdann einen breiten, derben, strahligen Holzkörper (gth, Fig. 2 a),der dem Ganzen eine grofse Festigkeit verleiht und der nebenGefäfsen zahlreiche Libriformfasern enthält.
In den Fällen wo das Rhizom kurz ist und sich nachoben hin in mehrere Äste gabelt, die entweder Knospen oderStengel tragen, zeigt das Rhizom einen etwas verschiedenenBau, je nachdem man es unten, wo es in die Wurzel über-geht (bei c, Fig. l), in der Mitte (bei b, Fig. 1) oder oben(bei a, Fig. 1) durchschneidet. Im unteren Teile ist es weichund wenig holzig (Fig. 2 c). Ein Kranz von Gefäfsbündelnumgiebt ein grofses Mark (m, Fig. 2 c), in dem am Randeeinige isolierte Gefäfsteilgruppen liegen. Etwas weiter obenlegt sich an diesen peripheren Rand (agth, Fig. 2 b) ein ge-schlossener Gefäfsteilcylinder (igth, Fig. 2 b) und ganz obenverschwindet der periphere Gefäfsteil ganz oder nahezu ganz,und der Gefäfsteil besteht aus einem derben, strahligen Holz-cylinder wie in Fig. 2a. Wie weit das Rhizom reicht, ist ander Droge leicht auch äufserlich zu sehen. Der Rhizomteilderselben ist nämlich relativ glatt und zeigt Längsstreifen,hie und da auch Querrunzeln (Fig. 1, Rhiz.). Auch beimDurchschneiden merkt man bald, ob man ein Rhizomstückvor sich hat. Denn dieselben sind, wenigstens im oberenTeile, viel derber und fester als die Wurzeln, die sich nachdem Aufweichen wie Wachs schneiden lassen. Es rührt dieseben daher, dafs die Rhizome, wie oben erwähnt, einen sehrderben Holzkörper besitzen.
Ursprünglich endigt die junge Hauptwurzel oben ineinen Sprofs. Derselbe stirbt aber nach einem Jahre abund wird durch einen oder mehrere Seitensprosse übergipfelt,die, nachdem sie neue Sprosse gebildet haben, ihrerseits wiederübergipfelt werden. Da diese Übergipfelung sehr dicht unter-und nebeneinander erfolgt, liegt an der Spitze der Haupt-wurzel oft ein ganzes Konglomerat von Sprossen verschiedenen
Grades (Fig. 1), deren Zugehörigkeit zu den einzelnen Jahrennicht mehr festzustellen ist. Das ganze Verzweigungssystemist ein Sympodium.
Nach unten zu läuft das Rhizom in die Hauptwurzelaus (Hwu, Fig. 1). Dieselbe ist oft außerordentlich stark undlang. Hauptwurzeln von 30 bis 40 mm Dicke gehören keines-wegs zu den Seltenheiten. Daher findet man auch in derDroge ganz gewaltige Wurzeln. Meist allerdings sind die-selben der Länge nach halbiert, um sie besser trocknen zukönnen. Häufig erscheint die Hauptwurzel gedreht. Nichtselten treten an ihr, besonders dann, wenn ihr Wachstumdurch irgend welche Umstände gehindert ist, zahlreiche derbeNebenwurzeln hervor (Nwu, Fig. 1). Aber gar oft unterbleibtdies auch und die Hauptwurzel bleibt mit ihren zarten Neben-wurzeln dauernd das einzige Ernährungsorgan. Zarte Neben-wurzeln treten übrigens auch aus dem Rhizome hervor. DieWurzeln sind äufserlich dadurch kenntlich, dafs sie grob-runzlich sind (Fig. 1). Dies läfst sie von den Rhizomabschnittendeutlich unterscheiden. Die groben Runzeln sind besonderstief bei den Hauptwurzeln, wo sie bisweilen zu einer förm-lichen Zerklüftung des Wurzelkörpers führen. Auch beimDurchschneiden ist die Wurzel leicht kenntlich. Eingeweichtschneidet sie sich wie Wachs, trocken bricht sie körnig-ebenund stäubt dabei infolge ihres hohen Stärkegehaltes. Aufsenist sie grau bis graubräunlich, innen grauweifs, mehlig. Ge-kaut schmeckt sie anfangs süfslich, dann bitterscharf undwürgend. Durchschneidet man die Wurzeln, so findet maneine strahlige Randzone am Kambium und im Innern zerstreuteHolzbündel (Fig. 3d und 4). Auch dies läfst Wurzel undRhizom leicht unterscheiden.
Der anatomische Bau des Rhizoms ist folgender:Die Rinde ist schmal (Fig. 2 a). Sie ist bedeckt von derEpidermis [Ep\ Fig. 5) und einer unter derselben liegendenmehrschichtigen Korkschicht {K, Fig. 5), dann folgt ein mitStärke vollgepfropftes Parenchym, in dem vereinzelte Zellenmit sehr kleinen Kalkoxalatkristallen sich finden (kr%, Fig. 5).Diese sogenannten Kristallsandzellen, die sich in allenTeilen der Pflanze, in Mark und Rinde bei allen Solaneen undDatureen finden, erscheinen grau. Die Kristalle selbst sindaufserordentlich klein, dreistrahlig (Fig. 14). Das Kambium