IV
Tafel 73.
Anthodia cinae.
Infioreseentia cinae, Plores cinae, Sem. cinae, Sem. contra, Sem. santonici, Sem. sanetum, Wurmsamen, Zittwer-
samen, Sebersaat, Semencine ou Barbotme, Wormseed.
Seit dem 17. Jahrhundert ist es bekannt, dafs die Drogekein Same ist. Es ist unschwer festzustellen, dafs sie ausden unentwickelten Blütenkörbchen einer Composite besteht.Die Stammpflanze, die in Turkestan heimisch ist, ist eineForm der weitverbreiteten Artemisia maritima , die man alsArtemisia maritima L. a pauciflora Leclebour oderals Artemisia maritima L. var. Stechmanniana Bess. (Artemisiapauciflora Weber) bezeichnen kann, die aber von einigen auchals besondere Art, als Artemisia Cina Berg, von Artemisiamaritima abgetrennt wird.
Ich verdanke Herrn Woldemar F er rein einige ganzeOriginalpflanzen, die derselbe aus Turkestan erhielt. Diesewie die Handelsware sind der Beschreibung zu Grunde ge-legt. Die erwähnten Pflanzen hatten ohne die Wurzeln eineHöhe von circa 45 cm, besassen fast keine Laubblätter mehr,aber individuenreiche Blütenstände. Die Blütenkörbchen, dieihrerseits je eine Partial-Inflorescenz repräsentieren, sind nunwiederum zu rispenartigen Blutenständen vereinigt. DieSeitenachsen dieser Rispen entspringen in der Achsel vonzarten, gefiederten Hochblättern, deren Scheide die Achseumfafst und die zwei lineale Seitenflederblättchen und ein inmehrere lineale Lappen zerteiltes mittleres Fiederblatt be-sitzen (Fig. 27). Die weiteren Verzweigungen und die oberenRispenstrahlen entspringen gleichfalls in der Achsel von Hoch-blättern, aber dieselben sind je weiter nach oben um so ein-facher gebaut. Zuerst fällt die Zerteilung der Mittelliederweg, dann die beiden Seitenfledern. Die obersten Hochblättersind nur einfach lineale Blättchen (x, Fig. 1). Die Zweiglein,welche an der Spitze das Körbchen tragen, sind oft auch nochmit kleinen Hochblattschuppen besetzt (y, Fig. 1 u. 2), die alsVorblätter des Hüllkelches, der das eigentliche Hochblatt-involukrum des Körbchens {hb, Fig. 1 u. 2) bildet, zu be-trachten sind.
Die bräunlich-grünen, länglichen oder eilänglichen Blüten-körbchen, wenn unentwickelt (wie bei der Droge) geschlossen,wenn reif sparrig offen, sind 3—4 mm lang und etwa 1 mmbreit und im Querschnitt (Fig. 2 a) fast rund. Sie sind sitzendoder kurz gestielt. Der Hüllkelch besteht aus 10—18 Blätt-chen. Die untersten äufseren sind breit elliptisch, etwa 0,5 mmlang und relativ dick. Die oberen inneren oblong oder lineal.Alle haben eine stumpfe Spitze und einen hyalinen häutigenRand an der Spitze und an den Seiten, die äufseren eine
braungrüne,. kielartig vorspringende Mittelrippo. Alle sindmit gelben Drüschen besetzt. Die 3—G Blüten sind herma-phrodite, aktinomorphe Scheibenblüten. Sie sitzen auf flachemkahlem Blütenboden. Der Fruchtknoten der (in der Drogefehlenden) ganz entwickelten Blüten ist circa 1 mm lang, um-gekehrt kegelförmig, von der Seite etwas zusammengedrückt,kahl. Der Kelch nur als schwacher, kaum sichtbarer Ring-wulst entwickelt. Die Corolle ist bei den ganz entwickeltenBlüten circa 2 mm lang, keulenförmig, dem Fruchtknoten schiefaufgesetzt, fünflappig, mit spitzen Lappen, drüsig. Die Staminasind unterhalb der Mitte der Corolle inseriert. Sie tragen sehrlange Antheren. Der Griffel ist 2 mm lang und gegen dieMitte in zwei Narbenschenkel gespalten.
Die Blüten des Körbchens sind bei der Drogein der überwiegenden Zahl noch unentwickelt.Durchmustert man eine gröfsere Anzahl von Infloresconzen, sokann man Blüten in allen Stadien der Entwickelung finden.Zunächst solche, bei denen die Blütenteile — Corolle, Stamina,Griffel — erst als kleine wulstige Höcker angelegt sind(Fig. 3 — 6) oder als gestreckte Wülste erscheinen (Fig. 8),dann solche, bei denen die Differenzierung schon weiter vor-geschritten ist (Fig. 7 u. 9) und namentlich die Blätter derCorolle schon deutlich hervortreten und endlich Blütenknospen,die schon eine deutliche Scheidung des Fruchtknotens vonder übrigen Blüte erkennen lassen (Fig. 10). Wirklich voll-ständig ausgebildete Blüten habe ich in der Droge nur äufserstselten gefunden. Die obere Grenze bezeichnet etwa Fig. 10.Auch in diesem Stadium, sind schon die Blüten und derBlütenboden mit Öldrüsen dicht besetzt (oed, Fig. 10). Auchdas Ferr ein'sehe Exemplar, welches nach Angabe der Sammlerden Zustand darstellt, in dem die Droge abgelesen wird, zeigtdie Blütenknospen noch ganz unentwickelt. Dagegen besitzendie Exemplare der Pflanze, welche sich im Flückiger-Herbar l )finden und die Knapp im Frühsommer 1884 bei Tschimkentsammelte, fast ausschfiefslich sparrig geöffnete Körbchen undentweder völlig entwickelte Blüten (Fig. 10 a) oder gar keinemehr. Dieselben sind bei den unteren, älteren Körbchenbereits herausgefallen. Daraus folgt, dafs die Cina nicht imSommer gesammelt werden kann, sondern im Frühjahr gesam-melt werden mufs, wenn die Körbchen noch unentwickelt sind.
1) Dasselbe ist im Pharmazeutischen Institut der Universität Bernautgestellt.
40*