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Anatomischer Atlas der Pharmakognosie und Nahrungsmittelkunde : mit 81 Taf.
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Tafel 71.

Flor, malvae.

Malvenblüten, Rosspappelblüten (wilde Käsepappel, wilde Malve, grosse Hasenpappel), Pleurs de Mauve

sauvage, Wild Mallow-flowers.

Unter dem Namen Malvenblätter sind in der Pharma-iopoea germanica und helvetica sowohl die Blätter von

silvestris L. wie die von Malva neg'lecta Wall-

Malv

roth (Malva vulgaris Fries, Malva rotundifolia C. Bauhin),unter dem Namen Malvenblüten jedoch nur die von Malvasilvestris L. offlzinell.

Ich lege der Beschreibung die Blüten von Malva sil-vestris L. zu Grunde.

Die Blüten sind V/ 2 bis 3 cm lang und gestielt. Sie sindzu in den Achseln der Laubblätter stehenden Büscheln ver-einigt, die zusammengesetzte Trauben bilden mit wickeligenVerzweigungen. Die Blumenkrone ist drei- bis viermallänger als der Kelch, die Blätter derselben an der Spitzetief ausgerandet, hellpurpurrot mit dunkleren Adern.(Unterschied von Malva neglecta, wo die Blütenblätter nurzwei- bis dreimal länger als der Kelch, hellrosa oder fast weissund mit dunkleren Adern versehen sind.)

Der Aufsenkelch (Hüllkelch, Hochblattinvolucrum, hb,Fig. 1 u. 23a) besteht aus drei freien, spateiförmigen, zu-gespitzten, besonders am Bande stark behaarten Blättern von57 mm Länge. Der Kelch (sc, Fig. 1 u. 23a) der actinomor-phen, fünfzähligen Blüte ist gleich lang oder etwas länger als derAufsenkelch, bis 8 mm, gamosepal, in fünf dreieckige Zipfel ge-spalten, besonders aufsen und am Bande behaart. Die in derKnospenlage gedrehten Corollenblätter (Pe, Fig. 1 u. 2) sind22,5 cm lang (meist 2 cm von der Basis bis zum Grunde derGipfeleinbuchtung), keil-umgekehrt-eiförmig, an der Spitzetief ausgerandet (Fig. 2), am Grunde mit zwei dichten Haar-büscheln versehen (t, Fig. 2) und daselbst mit der Staubfaden-röhre verwachsen (x, Fig. 1), hell purpurrot mit dunklerenAdern. Auch das Staubfadenbündel (anth, Fig. 1) ist purpur-rot, 1012 mm lang, oben in zahlreiche, schwach behaarteFilamente gespalten, unten zu einer weiten Bohre verwachsen,die ganz allmählich in die Corolle übergeht. Die Antherensind nierenförmig (Fig. 3 a, 3 b, 3 c) in der Mitte angeheftet,quergestellt, monothecisch. Sie öffnen sich durch einen überden Scheitel laufenden Querspalt. Das Gynaeceum bestehtmeist aus 10 (811) Carpellon, die einen scheibenförmigen,in der Mitte eingedrückten Fruchtknoten bilden. Der Griffel(grf, Fig. 1) zeigt so viele Narbenschenkel als Carpelle vor-handen sind. Er bildet unten eine solide Säule, die sichnach oben hin etwa auf halber Höhe in die fädigen Narben-schenkel zerteilt. Das Bündel der letzteren bleibt entwederin der Staminalröhre eingeschlossen (im männlichen Stadiumder Blüte) oder tritt aus letzterer hervor (im sogenannten weib-lichen Stadium). Im letzteren Falle biegen sich die Narben-schenkel nach aussen um, legen sich an die Antheren an, ja

biegen sich in sie hinein, den Pollen herausholend, oder ver-filzen gar mit den ganzen Staubfäden und sind demnach imstände sich mit Pollenkörnern auch ohne Fremdbestäubungzu beladen.

Die Blüten von Malva neglecta Wallroth sindkleiner als die von Malva silvestris. Die Blumenblätter über-ragen an Länge nicht so stark die Kelchblätter (siehe oben),besonders bietet aber der Kelch ein gutes Unterscheidungs-mittel. Bei Malva silvestris sind die Kelchblattzipfel fast drei-eckig und die Blätter des Hochblattinvolucrums schmal-spatel-förmig, ungefähr ebenso lang wie die Kelchblätter (Fig. 23 a).Bei Malva neglecta sind die Kelchblattzipfel zugespitzt unddie Blätter des Hochblattinvolucrums sehr schmal lineal-lan-zettlich, stets kürzer als die Kelchblätter (Fig. 23 b).

Die drei Blätter des Hochblattinvolucrums der Blütevon Malva silvestris sind am Bande sehr stark behaart. DieHaare sitzen hier auf mehrzelligen Polstern, sind derbwandig,einzellig (selten zweistrahlig) und aufserordentlich lang, bis2 mm, so dafs sie wie ein Strahlenkranz den Band einsäumen.Ihre Spitze ist kegelig. Auf der Innenseite finden sich garkeine oder nur sehr vereinzelte kurze einzellige Haare; dieAufsenseite besitzt die gleichen langen Haare wie der Band,doch sind dieselben hier nicht ganz so lang. An der Basis derHüllkelchblätter finden sich vereinzelte Sternhaare. In demreichdurchlüfteten Mesophyll finden sich reichlich Kalkoxalat-drusen und Schleimzellen. Die Nerven, an der Basis der Blätternur wenig gegabelt, verzweigen sich gegen die Spitze hin zueinem reich anastomosierenden Bündelnetze. Die Bpidermis-zellen der Aufsen-(Unter-)Seite sind geradwandig, die derInnen-(Ober-)Seite wellig gebogen. Spaltöffnungen liegen aufbeiden Seiten.

Die Kelchzipfel sind am Bande mit ganz den gleichen,sehr langen (bis 2 mm), einzelligen Haarwimpern versehenwie die Hüllkelchblätter. Auch bei ihnen sitzen dieselben(t, Fig. 20) auf mehrzelligen Polstern (x, Fig. 18 u. 20) undsind, soweit sie diesen eingefügt sind, an der Basis reichgetüpfelt (t, Fig. 17). Auf der Blattaufsen-(Unter-)Seite findensich dergleichen einzellige, lange, Zellpolstern eingefügteHaare ebenfalls reichlich, besonders auf den Nerven. Die-selben sind aber hier schon oft zweistrahlig (Fig. 18 t,),nehmen also Sternhaarcharakter an. Die kegeligen Zellpolster,auf denen sie sitzen, sind bisweilen ziemlich hoch (x, Fig. 18u. IC). Diese Haare werden nun hier begleitet von aufser-ordentlich zahlreichen, ziemlich dicht gestellten typischenSternhaaren (Fig. 19), die bald der Epidermis direkt eingefügt,bald auf mehr oder weniger hohen Zellpolstern erhoben sind(Fig. 16) und 2, 3, 4, 6, 7, 8 oder 9 Haarstrahlen besitzen

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