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Anatomischer Atlas der Pharmakognosie und Nahrungsmittelkunde : mit 81 Taf.
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Tafel 69 u. 70.

Folia aurantii.

Orangenblätter, Bigaradeblätter, Feuilles d'Oranger, Bitterorange leaves.

Die Blätter von Citrus vulgaris Risso (C. auran-tium L. var. amara, C. Bigaradia Duh.) sind als aus gefie-derten Blättern umgebildet zu betrachten, denn die Flügeldes sogen, geflügelten Stieles sind nichts anderes, als redu-zierte Blätter. Wir haben ein unpaarig gefiedertes Blatt voruns, an dem nur das Endblatt normal entwickelt ist, diepaarigen Blätter dagegen stark reduziert sind. Diese Redu-zierung ist bei den einzelnen Citrusarten sehr verschieden,am stärksten bei Citrus limonum, limetta und medica, wo„der Blattstiel kaum geflügelt" ist, am schwächsten bei C.decumana, wo die Flügel 10—12 mm breit sind. Citrus vul-garis steht in der Mitte. Hier beträgt seine Breite auf jederSeite der Mittellinie ca. 5—8 mm, bei Citrus bergamia Rissound C. aurantium Risso ist er etwas schmäler; der Flügel istverkehrt-herzförmig. Gegen das Endblatt hin ist die geflü-gelte Partie durch ein Gelenk abgegliedert, so dafs sie sichhier leicht ablöst. Das Gewebe ist an dieser Stelle bis nahezum Bündel eingeschnürt und da die Zellen an der schmalenBrücke klein sind (sie führen auch keine Kristalle), so brichtder Stiel hier leicht. Die Droge besteht daher fast nur ausden abgebrochenen Endblättern und führt fast gar nicht die„geflügelten Blattstiele", so dafs man in der Form und Gröfsedes Flügels kaum ein sehr brauchbares diagnostisches Hilfs-mittel für die Droge besitzt. Meist läfst es im Stich. DasEndblatt, aus dem also die Droge zumeist allein zu bestehenpflegt, ist selten länger als 8—10 cm und breiter als dasder Citrone, bis 4,5 cm, eiförmig-länglich, oder breit-elliptisch,zugespitzt, scheinbar ganzrandig. Bei näherer Betrachtungsieht man aber entfernt gestellte, sehr zarte Kerbzähnehen.Die Blätter sind immergrün, kahl, auf der Oberseite dunklerals auf der Unterseite, sehr deutlich, besonders in der Durch-sicht, drüsig punktiert. Die sehr zahlreichen Ölbehälter er-scheinen besonders bei den frischen und den aufgeweichtenBlättern, wenn man sie gegen das Licht hält, als helle Punkte.Sie reichen bis zum Blattrande. Unter jedem Blattzahn liegtein Ölbehälter. Der kleine Stachel, den man bisweilen inder Achsel der Laubblätter findet, ist als den transversalstehenden Primärblättern der Achselknospen homolog zu setzen.

Die Anatomie der Blätter zeigt einige Besonderheiten.Die Epidermis der Oberseite besteht aus im Querschnitt

nahezu quadratischen Zellen (Fig. 1, 4—7 Epo), deren Kuti-cularpartie der Aufsenwand zapfenförmig nach innen vor-springt (Fig. 6 u. 7) und die von der Fläche gesehen (Fig. 2)quadratisch oder oblong erscheinen. Über den Ölbehälternvertieft sich die Epidermis muldenförmig und zeigt dort, vonder Fläche betrachtet, einen abweichenden Bau. Man siehtdaselbst eine deutlich um einen Mittelpunkt gruppierte Zell-gruppe. Dies tritt auf der Blattunterfläche noch deutlicherhervor (X, Fig. 3), weil hier die Partien über den Ölbehälternauch frei an Spaltöffnungen sind (Fig. 3). Sonst gleicht dieEpidermis der Blattunterseite ziemlich der der Oberseite. Aufder Unterseite liegen sehr zahlreiche Spaltöffnungen (st, Fig. 3\dieselben sind verhältnismäfsig klein und von vier bis fünfNobenzellen umgeben.

Das Mesophyll bestehtauf der Blattoberseite aus zweibis drei Reihen schlanker Palissaden (p, Fig. 1), auf der Blatt-unterseite aus einem dicken, reich durchlüfteten Merenchym.Der äufsersten Reihe der Palissaden sind grofse Kalkoxalat-z eilen eingelagert, die breiter als die umgebenden Palissaden,aber kaum länger zu sein pflegen und die sich stets un-mittelbar an die Epidermis anlegen. Sie enthalten einen, ineiner Cellulosetasche sitzenden grossen Oxalatkrista.il. Der-selbe entsteht innerhalb des Plasmaschlauches, also im Zell-inhalte (Fig. 4, kr) und wächst im Zellsafte heran ( X , Fig. 1).In diesem Stadium, wo die Blätter meist 20 — 30 mm langsind, ist der Kern noch deutlich zu sehen (he, Fig. 4). Balderblickt man alsdann rings um ihn herum eine gröfsore AnzahlKugeln, die sich mit Osmiumsäure braun-schwarz färben unddie man daher wohl für Oleoplasten ansprechen kann (y, Fig. 1).Das Blatt hat nunmehr eine Länge von GO mm erlangt. Nunbeginnen die innere Wand und auch die Seitenwände derKristallzelle sich zu verdicken und Zellwandleisten wachsenum den bereits jetzt völlig ausgebildeten Kristall herum, ihngewissermaßen einfangend. Löst man in diesem Stadium denKristall mit Salzsäure heraus, so bleibt eine becherförmige,oben offene Bildung an der Basis der Zelle zurück (Fig. 5, x).Es scheint, dafs die Bildung der Tasche durch den Reiz ein-geleitet wird, den der Kristall auf die untere Membranpartiedadurch ausübt, dafs er sich an dieselbe anlegt. Nach undnach umwachsen die Membranlappen die Oxalatkristalle voll-

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