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Anatomischer Atlas der Pharmakognosie und Nahrungsmittelkunde : mit 81 Taf.
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Tafel 67 u. 68.

Ehiz. rhei.

Rad. rhei, Chinesischer Rhabarber, Rhubarbe, Rhubarb.

Die sogenannte Rhabarberwurzel ist das Rhizom von meh-reren Rheumarten, unter denen Rheum palmatum L. (undeine Yarietät desselben, das ß. tanguticum Maxim.) sich sicherbefindet, zu denen aber wohl auch Rheum officinale Baill.(nebst Collinianum, das Baillon: Rheum hybridum L. var.collinianum genannt hat) und möglicherweise Rheum Pran-zenbachii Munt, gehört. Yon Rheum palmatum L., Rh.palmatum L. ß. tanguticum Maxim, (wohl kaum von ersteremverschieden) und Rh. officinale Baill. lag mir frisches Materialvor, von Rh. palmatum ß. tanguticum Wurzeln des Original-exemplars Przewalski-Maximowicz' aus dem botanischen Gartenin St. Petersburg, von Rh. officinale das Rhizom des Original-exemplars Baillon s aus dem botanischen Garten der Ecolede medecine in Paris, von Rh. palmatum und officinale fernerHandelsmaterial aus Erfurt. Ausserdem ein sehr reiches Drogen-material aller Sorten des Handels.

Nur die Rhizome von Rh. palmatum zeigen die Farbeder Droge und durchschnitten und getrocknet ganz den cha-rakteristischen Geruch, Rh. officinale ist selbst in älterenStücken heller und riecht durchschnitten und getrocknetkeineswegs genau wie Rhabarber, sondern mehr krautig. Ichbetrachte es daher als ausgemacht, dafs wenigstens der bestechinesische Rhabarber des Handels von Rheum palmatum L.stammt, von welcher Pflanze er bereits von Linne abgeleitetwurde. Eh. officinale scheint übrigens dem Rh. palmatumsehr nahe zu stehen, einige betrachten es direkt als einenBastard von Rh. palmatum und einer anderen Rheumart. Daserscheint nicht unmöglich, doch noch nicht genügend gestützt.

Schon sehr frühzeitig, einige Wochen nach Keimung derSamen, verdickt sich das Hypocotyl und die die unmittelbareFortsetzung desselben nach unten bildende primäre Wurzelrübenartig und auch das an der Spitze des Hypocotyls ge-legene kurze epicotyle Glied zeigt bereits Verdickung. Letz-teres bleibt kurz und streckt sich wenig. Aus ihm entstehthauptsächlich das spätere Rhizom. Frühzeitig stirbt die Haupt-wurzel ab ( X , Fig. 2) und an ihrer Stelle treten mehrereNebenwurzeln (wu, Fig. 2) auf. Am Epicotyl entwickeln sichnun dicht übereinander und in spiraliger Anordnung dieBlätter. Die Internodien bleiben sehr kurz, die Blattinser-tionen liegen daher dicht übereinander (Ejjie, Fig. 2). Auch

späterhin strecken sich die Internodien nicht erheblich. DasRhizom zeigt daher eine sehr deutliche und dichte Ringelung(Fig. 2), die auch bei älteren, mehrjährigen Rhizomen nochsehr klar hervortritt (Fig. 1). An der Spitze liegt stets eineTerminalknospe (Im, in Fig. 1 u. 2), die im Frühjahr austreibt.Unterhalb derselben werden frühzeitig eine oder mehrere neueKnospen angelegt (X, Fig. 8) für das folgende Jahr. Fig. 1stellt ein mehrjähriges Rhizom dar, das frisch oin Gewichtvon circa 3000 g hatte. Die Terminalknospe ist deutlich. Diein den Achseln der Laubblätter entstandenen Knospen desletzten Jahres sind als mehr oder weniger grosso helle Vor-wölbungen zu sehen (/«»,,, Fig. 1). Die Knospen frühererJahre sind sehr stark gestreckt und zeigen stielartige Basen(kn n Fig. 1), die bereits auch ihrerseits Wurzeln entwickelthaben (wu n Fig. 1). In diesem Stadium lassen sich dieseKnospen leicht von dem Hauptwurzelstocke abtrennen undsind im Stande sich selbständig weiter zu entwickeln einebequeme Art der Vermehrung der Pflanze, die auch in Asiengeübt werden dürfte.

Sie lösen sich auch von selbst vom Hauptwurzelstock(dem Centralknollen) ab, wenn derselbe nach Abblühen derPflanze abzusterben anfängt und diese Knospen zu Neben-wurzelstöcken (Nebenknollen) herangewachsen sind.

Die Laubblätter, die, wie bereits erwähnt, dicht über-einander entstehen, sterben gänzlich ab und lassen nur einebreite Narbe zurück. Nur an der Spitze des Rhizoms siehtman noch, da und dort wenigstens, die Reste der Scheidender Blätter {bl, Fig. 1). Das in Fig. 1 dargestellte Exemplarist etwa vier- bis fünfjährig, aber bereits schwammig. Esdürfte daraus hervorgehen, dafs die Rhabarberrhizome desHandels wahrscheinlich von etwa dreijährigen Pflanzen vorEintritt in die Blüteperiode gesammelt werden. Diese Rhizomekönnen natürlich sowohl blühreife Hauptwurzelstöcke wieblühreife Nebenwurzelstöcke sein.

Rheum palmatum weicht in der Rhizombildung nichtwesentlich von Rh. officinale ab.

Aus vergleichender Untersuchung der Rhizome in denverschiedenen Phasen der Entwickelung geht des fernerenhervor, dafs ganz junge ein- bis zweijährige Rhizome sehrreich an Stärke und arm an Emodin und Chrysophansäure