Tafel 62.
Flores Ärnicae.
Wolferleiblumen, Wohlverleihblüten, Fallkrautblumen, Fleurs d'Arnica, Arnica Flowers.
Die Arnicablüten sind die Blütenkörbe von Arnicamontana L., einer nur im Norden in die Ebene herab-steigenden Gebirgspflanze.
Die Blütenkörbe werden bald ganz benutzt, bald wirdder Blütenboden abgelöst und nur die Blüten allein gelangenin den Handel.
Die Blütenkörbe (Fig. 1) sind ziemlich grofs. Sie messenim Durchmesser circa 10 mm. Das Hochblattinvolucrum, derHüllkelch (hb, Fig. 1) umhüllt das Ganze wie ein Becher. Erumschliefst meist 14—20 (10—23) weibliche zungenförmigeBandblüten (Fig. 1 r, u. 2) und zahlreiche hermaphroditeScheibenblüten (seh, Fig. 1, Fig. 3 u. 4), die beide auf demziemlich flachen, sofiden Blütenboden (Mb, Fig. 1) sitzen.
Der Blütenboden zeigt bei der blühenden Fflanze fastkeine Wölbung. Erst nach dem Abblühen wölbt er sichkugelig hervor und giebt der abgeblühten Inflorescenz deneigenartigen Charakter. Löst man die Blüten ab, so erscheinter grubig punktiert und dicht behaart.
Der Hüllkelch besteht aus 20—24 fast gleichlangen,lanzettlichen und zugespitzten Hochblättern, die in zwei Reihenangeordnet sind, zur Blütezeit glockenförmig die Blütengruppebehüllen, nach dem Abblühen aber sich zurückschlagen, sodafs sie dann nach unten gerichtet sind und der nunmehrstark gewölbte Blütenboden frei hervortritt. Die Hüllkelch-blätter sind grün, nach oben hin oft violett gefärbt. Sie sindüber die ganze Fläche reich behaart.
Die zungenförmigen weiblichen Randblüten (r, Fig. 1)sind zygomorphe Strahlblüten und umgeben als einfacherKranz die Scheibe. Sie besitzen einen dünnen schlanken,mit nach oben gerichteten Haaren dicht besetzten schwach vier-bis fünf kantigen Fruchtknoten (fk, Fig. 2). Die Basis derKronenröhre umgiebt ein dichter Kranz von Fappusborsten (Pp)— der metamorphosierte Kelch der Blüte. Die gelbe Oorolleist unten röhrig und behaart, geht aber bald in eine circa8 mm breite gelbe Fahne über, die an ihrem Ende drei-zähnig ist (Fig. 2) und meist von acht (bis zwölf) Nervendurchzogen wird. Aus der Kronenröhre ragt etwas der faden-förmige Griffel mit der zweischenkligen Narbe (Na, Fig. 2)hervor. Das Androeceum fehlt ganz oder ist staminodialund dann in Form cylindrischer oder keuliger Zotten wahr-zunehmen.
Die zahlreichen (circa 50) hermaphroditen Scheiben-blüten sind actinomorph und ebenso lang wie die Hüll-
kelchblätter (Fig. 1). Auf schlankem, dicht behaartem Frucht-knoten (fk, Fig. 3 u. 4) sitzt die ebenfalls sehr schlankegamopetale, gelbe Corolle. Unten eng und röhrig, erweitertsich dieselbe etwa auf halber Höhe, dort wo die Staminainseriert sind, und läuft in fünf dreieckige, flach ausgebreiteteoder etwas zurückgeschlagene Zipfel aus (Fig. 3 u. 4). Sie istgleichfalls aufsen behaart, besonders im unteren Teile. Ander Basis der Corolle sitzt auch hier ein vielgliedriger borstigerFappus. Die Filamente der fünf Stamina tragen langgestreckte,aus der Blüte etwas hervorragende Antheren, die ebenso langwie das Filament sind, oben in eine kegelförmige Connectiv-spitze und unten in zwei Zipfel auslaufen. Der lange Griffelwird an seiner Basis von einem rundlichen Diskus (Dis,Fig. 4 u. 24) umgeben und läuft in eine zweischenklige Narbemit zurückgekrümmten Schenkeln aus (Na, Fig. 4), die ausder Blüte hervorragt. Das anatrope Ovulum ist gleichfallsstark in die Länge gestreckt.
Der Bau der Randblüten ist einfach. Die Fahnebesteht nur aus wenigen Zellschichten. Die Epidermis derOberseite (Epo, Fig. 13) wird gebildet aus etwas papillös vor-gewölbten, im Querschnitte kegelförmigen, in der Flächen-ansicht (Fig. 14) isodiametrischen Zellen, deren Kuticula einezarte, gegen die Kegelspitze gerichtete oder längsverlaufendeStreifung (Faltung) zeigt (Fig. 14). Das Mesophyll (mes, Fig. 13)ist zartzellig und reich durchlüftet und wird der Regel nachvon acht zarten Bündelchen (gfb, Fig. 13) durchzogen, diemehrere Spiralgefäfse führen. Bisweilen gabeln sich dieseBündel, so dafs zehn, elf oder zwölf Nerven zu zählen sind.Die Epidermis der Unterseite besteht aus im Querschnitteziemlich hohen Zellen (Epu, Fig. 13), die, von der Flächegesehen, längsgestreckt erscheinen und deren Kuticula gleich-falls eine zarte Längsstreifung zeigt (Fig. 15, Epu), die aberviel weniger deutlich ist, als die Kuticularfaltung der Ober-seite. Über den Nerven finden sich in nicht sehr grosserZahl zwei Arten Trichome, die einen sind lange mehrzellige,aber einreihige Haare (t, Fig. 15) mit grofser Basalzelle (t, Fig. 13)und meist langer Endzelle. Sie sind oft gegen die Spitze derFahne gerichtet. Die anderen sind Öldrüsen der typischenCompositenform (Angew. Anatomie S. 467 und Tafel 2), d. h.sie bestehen aus zwei Reihen Zellen mit terminalem Sezer-nierungszellenpaar (oed, Fig. 15). Von der Seite gesehen,geben sie das in Fig. loa wiedergegebene Bild, von obenbetrachtet erscheinen sie wie bei oed (Fig. 15) dargestellt.