Druckschrift 
Lehrbuch der Botanik für Hochschulen : mit 667 Abb.
Entstehung
Seite
379
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Schimper: Phanerogamci).

379

Zweite Abtheilung.

Phanerogamen.

Allgemeines. Die Phanerogamen setzen die Keine der Pteridophytenohne scharfe Grenze fort und stellen phylogenetisch ihre höher entwickelte)!Nachkommen dar. Die Vervollkommnung ist auf die sporenbildende Gene-ration beschränkt geblieben, die unter Beibehaltung der Gliederung in Wurzelund Spross eine viel weitergehende Differenzirung und grössere Mannich-faltigkeit, namentlich in der Ausbildung ihrer Sporophyllstände erhalten hat,als diejenige der Pteridophyten. Dagegen ist die bereits bei diesen ein-getretene ßeduction der geschlechtlichen Generation bis zum völligen Auf-geben ihrer Selbstständigkeit fortgeschritten. Die meist auf wenige Zellenreducirte geschlechtliche Pflanze führt bei den Phanerogamen keine von dersporenbildenden Pflanze unabhängige Existenz mehr, sondern ist nur aufGrund der vergleichenden Entwicklungsgeschichte als Ueberrest einer eigenenGeneration erkennbar.

Die sporenbildende Generation. Die vegetative Gliederung derPhanerogamen ist bereits in der Allgemeinen Morphologie (S. 11 u. f.) desNäheren geschildert worden und soll an dieser Stelle keine Berücksichtigungfinden. Dieser Abschnitt wird sich vielmehr nur mit den im Dienste derErzeugung und Verbreitung der Sporen stehenden Gliedern beschäftigen, dadieselben allein die Phanerogamen als besondere Klasse charakterisiren.

Die Phanerogamen sind ausnahmslos hcterospor. Aehnlich wie beiden Selaginellaceen, werden Macro- und Microsporen stets von getrenntenSporophyllen erzeugt, die meist, wie bei jenen, Glieder desselben Sprossessind, zuweilen aber getrennten Achsen entspringen oder sogar besonderen,demnach rein männlichen oder rein weiblichen Pflanzen angehören. DieSporen werden auch hier in Sporangien gebildet, die wie bei den Pteri-dophyten Organe sui generis darstellen.

Die männlichen Sporophylle werden bei den Phanerogamen Staub-blätter (Starnina), die weiblichen Fruchtblätter (Carpide, Carpelle)genannt. Trotz der abweichenden Bezeichnung sind Staub- und Fruchtblätterden Sporophyllen der Pteridophyten durchaus homolog und demnach phylo-genetisch als metamorphosirte Laubblätter zu betrachten, obwohl sie in denmeisten Fällen mit solchen keine Aehnlichkeit mehr besitzen, sondern wiedie Sporophylle der meisten Lycopodiaceen und der Equisotaceen nur nochals Erzeuger und Träger der Sporen wirken. Staub- und Fruchtblätterentspringen dicht gedrängt und gewöhnlich in quirliger, seltenin spiraliger Anordnung aus dem Endstück einer Achse, die mitAusnahme der weiblichen Blüthe von Cycas, nach ihrer Erzeu-gung ihr Wachsthum endgültig einstellt.

In der Mehrzahl der Fälle befinden sich dicht unterhalb der Staub-und Fruchtblätter einige sterile Blattgebilde, die mit den Sporophyllen func-tionell zusammenhängen und dem entsprechend von Laubblättern wesentlichabweichen. Auch in ihrer beinahe stets quirligen, mit derjenigen der Sporo-