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Lehrbuch der Botanik für Hochschulen : mit 667 Abb.
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Schenck:

der Seta von der Kapsel mit emporgehoben wird, während bei den Lebermoosendie Haube stets an der Spitze von dem sich streckenden Sporogon durchgerissenwird, also an der Basis als Scheide zurückbleibt. Der oberste Theil der Setaunter der Kapsel wird als Apophyse bezeichnet. Sie ist bei Mnium kaum aus-geprägt, dagegen bei Polytrichum commune in Form eines Kingwulstes entwickelt(Fig. 326 ap) und am auffälligsten bei den nordischen Splachnum-Aiten, beiwelchen auf grosser kragenförmig ausgebreiteter, gelb oder roth gefärbter Apo-physe die Kapsel nur als kleiner Höcker erscheint. Der obere Theil der Kapsel-wandung ist in Form eines Deckels (Fig. 324 d) mit oder ohne schnabelartigeSpitze ausgebildet. Unterhalb des Deckelrandes ist eine schmale Zone der Kapsel-wandungszellen als sogen. King differenzirt. Der King, dessen Zellen aufquellendenSchleim führen, vermittelt das Absprengen des Deckels bei der Reife. Am Kandeder Kapselöffnung, zunächst von dem Deckel bedeckt, befindet sich bei den meistenstegocarpen Laubmoosen ein in der Regel von Zähnen gebildeter Mundbesatz, dasPeristom, das bei den übrigen Moosgruppen fehlt.

Bei Mnium hornum (Fig. 324 G p) ist das Peristom doppelt, das äusserebesteht aus 16, am Innenrande der Kapselwandung inserirten, keilförmig zu-gespitzten und quergestreiften Zähnen (D). Das innere Peristom liegt demäusseren dicht an und besteht aus flachen wimperartigen Lamellen und Wimper-fäden , die mit Leisten an der Innenfläche besetzt und daher quergestreift er-scheinen, iu ihrem unteren Theile aber zu einer continuirlichen Membran ver-schmolzen sind \E). Zwischen zwei äusseren Peristomzähnen stehen jedesmalzwei Wimpern des inneren Peristoms. Die Wimpern vermitteln hier durch ihrehygroskopischen Bewegungen das Wegschleudern der Sporen.

Verfolgt man die Entwicklungsgeschichte dieses Peristoms, so ergiebt sich,dass die Zähne und Wimpern aus einer der an die Innenseite des Deckels an-schliessenden Zellschichten durch stellenweise Verdickung der gegenüberstehendenWände angelegt werden (Fig. 325) und zwar die Zähne aus den Aussenwänden,die Wimpern aus den inneren Wänden dieser Zellschicht. Die Querleisten ent-sprechen den Ansatzstellen der Querwände. Bei dem Oeffnen der Kapsel trennensich die Zähne und Wimpern in den dünnbleibenden Wandlingsstellen von ein-ander.

In der Ausgestaltung des Peristoms herrscht bei den Bryinen eine grosseMannnichfaltigkeit. Durch seine Form und seine hygroskopischen Bewegungenbewirkt es ein allmähliches Ausstreuen der Sporen ans der Kapsel.

Die Mitte der Kapsel wird der Länge nach von der grosszelligen Colu-mella durchzogen. Das sporenbildende Gewebe, der sogen. Sporen sack, um-giebt dieselbe mantelförmig. Von der Kapselwandung und vielfach auch derColumella trennt ihn ein lockeres chlorophyllhaltiges Gewebe. Die Epidermis derKapsel führt Spaltöffnungen. Entsprechend ihrer anatomischen Structur betheiligtsich die junge Moosfrucht auch an der Assimilation. Sie reift ausserhalb desArchegoniums langsam heran, während bei fast allen Lebermoosen das Sporogonbis zur Keife in dem Archegonium eingeschlossen bleibt.

Gestalt der Kapsel, des Peristoms, des Deckels und der Haube geben diewichtigsten Gattungsunterschiede ab. Die Bryinen zerfallen zunächst in zweigrosse Unterordnungen nach der Stellung der Archegonien beziehungsweise derKapseln:

a) Bei den Bryinae acrocarpae stehen die Archegonien und somit auchdie Sporogone am Ende des Hauptstengels. Von häufigeren Arten gehört hierherdas oben besprochene Mnium hornum, welches an feuchten Stellen, auf Wald-boden, am Grunde von Felswänden auftritt. Ferner Polytrichum commune, einsehr gemeines, auch im hohen Norden sehr verbreitetes Laubmoos (Fig. 326 .Die Stengel desselben erreichen oft mehrere Decimeter Länge und wachsen rasen-