Physiologie.
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entgegen und rein äusserlich kann man zwischen einer Vermehrung durchmehrzellige Vegetationskörper (Sprossung) und einer solchen durch einzelneZellen (Sporenbildung) unterscheiden.
Die Vermehrung durch mehrzellige Vegetationskörper (Sprossung)
ist sehr oft nur eine Loslösung von Seiten sprossen, ein Zerfall einesEinzelwesens in mehrere. So werden die Seitensprosse eines Wasserfarns,der Azolla, durch Absterben und Zerfall der alten Theile der Mutterachsevon einander getrennt und wachsen als selbständige Pflänzchcn weiter. Soauch trennen sich die durch Sprossung entstandenen Vegetationskörper derWasserlinsen (Lemna) bald von einander und werden zu selbständigen Einzel-wesen.
Aehnlich verhält es sich bei der Vermehrung durch Ausläufer.Ehizome und Knollen. Wie man an der Erdbeere, dem kriechendenGünsel (Ajuga reptans), der Kartoffel und vielen anderen Pflanzen sehenkann, bilden sich aus manchen Achselknospen der weit sich ausbreitendenStolonen neue Sprosse, die sich bewurzeln. Sterben dann die Ausläufer selbstab, so entsteht im Umkreis der Mutterpflanze eine ganze Colonie selbstän-diger Tochterpflarjzen.
Ohne dass die Nachkommen durch Ausläufer von der Mutterpflanzefortgerückt werden, theilen sich die einzelnen Knollen der Corydalis solida,so dass aus einem einzigen zunächst deren 2, dann 4 und mehr hervor-gehen und in alten Zwiebeln entstehen neue Zwiebelchen (die „Zwiebel-brut") in den Blattachseln der Zwiebelschuppen. Brutzwiebeln oder Brut-knospen („Bulbillen") entstehen aber auch häufig an oberirdischen Vege-tationsorganen.
Bei verschiedenen Allium-Arten findet man dieselben im Blüthenstande anStelle von Bliithen stehen, ebenso bei dem Grase Poa bulbifera und bei Polygo-num viviparum. Bei Lilium bulbiferum, Dentaria bulbifera u. a. sind die Achsel-knospen der Blätter zum Abfallen eingerichtet (Fig. 22). In den dick angeschwol-lenen Blatthöckern erhalten sie Reservestoffe mit auf den Weg, und oft treiben sieschon Würzelchen vor ihrer Ablösung. Bei Kanunculus Ficaria ist es dagegendas Würzelchen der Achselknospe, welches mit Reservestoffen vollgepfropft wirdund so das Aussehen eines Getreidekorns erhält. Beim Absterben des Krautesim Vorsommer bleiben seine Bulbillen in grosser Zahl auf der Erde zurück undhaben zu der Fabel vom „Getreideregen" Anlass gegeben. Auch bei Crypto-gamen, wie z. B. bei Laub- und Lebermoosen, und Farnen treten Brutknospen auf.Eine besondere biologische Aufgabe haben die Winterknospen (Hibernakeln)vieler unserer Wasserpflanzen (Hydrocharis, Utricularia, Lemna u. a.) übernommen.Sie werden im Herbst gebildet, sinken dann auf den Boden der Gewässer, wo sieüberwintern, und kommen erst im nächsten Frühjahr an die Oberfläche, um sichz u entfalten und fortzuwachsen.
Aus den vegetativen Vermehrungsorganen entwickeln sich bei höheren Pflanzenjedes Jahr sofort kräftige, blühreife und fruchtende Individuen, während die ausSamen hervorgehenden Keimlinge oft mehrere Jahre der Erstarkung bedürfen, bisS1 e diesen Zustand erreicht haben (Zwiebelgewächse, Hopfen etc.).
Finden wir bei den angeführten Pflanzen die Brutknospen an der Stelle,w o sonst Seitensprosse stehen, so können andererseits Brutknospen auch an Ortenauttreten, wo sich gewöhnlich keine normalen Sprossungen finden. Es sinddann Adventivbildungen, welche besonders häufig an Blättern, zumal auf Blatt-spreiten, angetroffen werden. Während die Begonien-Blätter erst nach gewalt-samer Lostrennung neue Pflanzen entwickeln, besitzen die Blätter anderer Pflanzendiese Fähigkeit unter normalen Verhältnissen. Besonders ausgezeichnet sind da-durch einige Farne (Asplenium decussatum, Asplenium Fabianum, A. bulbiferum