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Lehrbuch der Botanik für Hochschulen : mit 667 Abb.
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Noll:

Bei den Marantaeeen, die durch ganz eigenartig gebaute Blattpolster aus-gezeichnet sind, soll sich dagegen nach Debski die concay werdende Seite durchDeformation der Zellen bei Turgorsteigerung, wie manche Wurzelrinden verkürzen.(Vgl. S. 265.)

Die Nachtstellung soll nach Darwin den Vortheil bieten, die Blättervor zu grosser Wärmeausstrahlung gegenüber dem nächtlichen Himmel zuschützen. Dieser Wärmeverlust kann zuweilen 5 und mehr Grade betragenund die Blätter sehr schädigen. Versuche zeigten denn auch, dass nykti-tropische Blätter, welche man in kalten Nächten gewaltsam in der Tages-stellung festhielt, erfroren, während die schlafenden nebenan die nächtlicheAbkühlung ohne Schaden ertrugen. Da aber auch in tropischen Klimaten.wo keine schädigenden Abkühlungen eintreten, die Pflanzen Schlafbewe-gungen ausführen, so kann der vorerwähnte Vortheil nicht ausschlaggebendfür jenes Verhalten der Blätter sein, den Stahl denn auch in der vermin-derten Thaubildung und der dadurch gewährleisteten höheren Transpirationdes nicht benetzten Blattes sucht. Von bekannteren Pflanzen, welche Schlaf-bewegungen zeigen, sind zu nennen Phaseolus, Trifolium, Robinia, Acacialophantha, Amicia zygomeris (Fig. 213), Mimosa pudica; weniger auffallendsind die Bewegungen bei vielen anderen Pflanzen.

Fig. 213. Schlafbewegung der Blätter von Amicia zygomeris. Links in zerstreutem hellem"Tageslicht mit ausgebreiteten Blättchen, rechts nach Verdunkelung in Schlafstellung.

Sehr helle Beleuchtung verursacht häufig ein Verlassen der Tagesstel-fung zur Nachtstellung hin oder nach der entgegengesetzten Richtung. DieFiederblättchen der Robinie (Robinia Pseudacacia) sind Nachts abwärts ge-schlagen, im zerstreuten Tageslicht flach ausgebreitet, in der heissen Mittags-sonne dagegen richten sie sich steil aufwärts.

Manche Pflanzen vollführen ihre Schlafbewegungen merkwürdiger Weise erstmit Hülfe geotropischer Variationsbewegungen, indem Lichtschwankungenden Geotropismus der Gelenkpolster verändern (Phaseolus, Lupinus) ( 75 ).

Der Wechsel von Tag- und Nachtstellung findet eine Zeit lang sowohlin constanter Finsterniss wie auch in andauernder Beleuchtung statt. DieBlätter tragen demnach in sich die Neigung, von Zeit zu Zeit aus demeinen in den anderen Zustand überzugehen. Ihre Tagesperiode entstehtdadurch, dass die periodischen Lichtreize bestimmend für den Zeitpunktdieser Aenderung sind (ähnlich wie bei unserem Schlaf und Schlafbedürfniss).Hört der äussere Wechsel auf, dann bedingt die innere Disposition nochlange eine sichtbare Nachwirkung (S. 240), bis mit den abnormen