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Lehrbuch der Botanik für Hochschulen : mit 667 Abb.
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Strasburger: Innere Morphologie.

sache der Missbildimgen, welche die Pflanze aus sich selbst erzeugt, sindebenfalls stoffliche Erreger anzunehmen, welche den Gang der Entwicklungaus den gewohnten Bahnen ablenken. Je früher sieh diese Einflüsse aufeine Anlage geltend machen, um so bedeutender die Ablenkung, welche dieEntwicklung erfährt. Wird die embryonale Substanz eines Vegetationspunktesin solcher Weise beeinflusst, so kann ein ganz anderes Gebilde an Stelledes zu erwartenden treten. Oder es bilden sich Mittelformen von mehr oderweniger monströser Gestalt aus. Die embryonale Substanz der Vegetations-punkte ist ja noch als solche zu Bildungen befähigt, welche den ganzenFormenkreis der Species umfassen, und so mag an Stelle einer Blüthe einvegetativer Spross sich bilden, ja selbst der Vegetationspunkt einer Wurzelsich unmittelbar als Spross weiter entwickeln. Schon angelegte Blätterwerden sich unter verändertem Einfluss in ihrer Umbildung vornehmlichinnerhalb des Formenkreises der Blattmetamorphose halten. Es werdenz. B. an Stelle von Staubblättern oder Fruchtblättern Blumenblätter entstehen.Je später der Einfluss auf die Anlage sich geltend macht, um so unvoll-kommener wird ihre Umwandlung werden. Daher alle die mehr oderweniger verunstalteten Mittelformen, welche zwischen zwei Gebilden mitgrösserer oder geringerer Annäherung an eines derselben sich einstellen. DieFähigkeit, in den embryonalen Zustand zurückzukehren, die ja selbst denfertigen Geweben in der Anlage von Folgemeristemen noch zukommt, kannendlich bedingen, dass auch an Stelle schon ausgegliederter Anlagen mor-phologisch völlig abweichende Glieder sich bilden, statt einer Sporenkapselbeispielsweise ein Spross entsteht. Wenn somit verschiedene Glieder desPflanzenkörpers bei einem abnormen Entwicklungsvorgang einander ver-treten, dann auch durch Mittelformen verbunden erscheinen, so ist darausein Schluss auf ihren phylogenetischen Zusammenhang nicht zu ziehen.Missbildungen sind somit nur in den seltensten Fällen für mor-phologische Schlussfolgerungen zu verwenden. Sie wären es nurso weit, als sie für Bückschlagserscheinungen gelten könnten, doch das sindsie sicherlich nur ausnahmsweise.