Morphologie. 7
Wenig differenzirte Gebilde, die am Ausgangspunkt einer fortschreitendenKeine stehen, bezeichnen wir als rudimentär; unvollkommene Gebilde,die sich aus vollkommneren zurückgebildet haben, als reducirt.
Die Morphologie zerfällt in die Lehre von der äusseren Gestalt und vondem inneren Bau. Die Lehre von der äusseren Gestalt der Pflanzen hat manauch Organographie genannt, eine Bezeichnung, die wir nicht annehmen( 4 ),da sie ihrem Wortlaute nach auf die Leistung Rücksicht nimmt und somiteinen physiologischen Begriff in sich schliesst. Die pflanzliche Morphologiekennt keine Organe, sondern nur Glieder des Pflanzenkörpers; während esandererseits eine der wichtigsten Aufgaben der Physiologie ist, die äussereGestaltung und den inneren Bau des lebendigen Körpers in Beziehung zuseinen Functionen zu bringen und den Ursachen der Formgestaltung nach-zuforschen. Die Lehre von dem inneren Bau der Gewächse hat man oft inden Begriff der pflanzlichen Anatomie oder Phytotoxine zusammengefasst;tatsächlich hat aber die Lehre von dem inneren Bau der Gewächse vorAllein mit jenem feineren Bau des pflanzlichen Körpers zu thun, der auftlnenschem Gebiete Gegenstand der Histologie ist, und nur in weit geringeremMaasse mit der Anatomie oder gröberen Körperzergliedernng. — Am ein-fachsten dürfte es jedenfalls sein, die Lehre von der äusseren Gestaltungder Pflanzen, als äussere Morphologie, die Lehre, die sich mit der innerenGestaltung der Pflanzen befasst, als innere Morphologie zu bezeichnen.
Erster AbschnittAeussere Morphologie. 5 )
Die Gestalt und Gliederung der Pflanzen weist grosse Verschiedenheitenauf. Die Morphologie sucht das Uebereinstimmende innerhalb dieser Mannich-taltigkeit zu erkennen. Sie erreicht das durch Aufdeckung der den ver-schieden ausgebildeten Formen gemeinsamen Ausgangspunkte.
Die Formentwickhing im Pflanzenreiche.
,. " Gr Thallus. Als Thallus wird ein ungegliederter oder wenig ge-gliederter Pflanzenkörper bezeichnet, dem vor Allem diejenige Sonderung
abgeht, welche die höher organisirten Pflanzenkennzeichnet. Die einfachste Gestalt, in derwir uns einen Organismus denken können, ist
die einer Kugel
Fig. l Gloeocapsapolydermatica.A Beginn der Theilung, B linkskurz nach der Theilung^ergrMO:
Diese Form kommt bei denniederen Pflanzen auch that-sächlich vor. Aus so kleinengrünen Kugeln, dass sie nur
bei stärkerer Vergrösserungunterschieden werden kön-nen, bestehen beispielsweisegewisse grüne üeberzüge,die häufig; an feuchten
Fig. 2. Saccharomy-
ces cerevisiae. 1 nicht
sprossende. 2 und 3
sprossende Zellen.
Vergr. 540.
Mauern auftreten. Sie wer-ten von einer zu den niedersten Abtheilungen der Pflanzen gehörenden Alge,aer Woeocapsa polydermatica (Fig. 1), gebildet. — Von cllipsoider Gestaltsind die Individuen der Bierhefe (Saccharomyces cerevisiae). Die Fig. 2