Gallensäurenachweis etc.
1865
Darniconcretionen einer persischen Ziegenart. Sie krystallisirt in kleinen, inWasser unlöslichen, hei 199° C. schmelzenden Prismen, welche ehenfalls diePettenkofer'sehe Gallensäurereaetion liefern. Bei dreistündigem Kochenmit der 15 fachen Menge Alkohol und einigen Tropfen Salzsäure geht dieLithofelHnsäure in ein zähflüssiges Lacton: C 20 H 34 O 3 , heim Kochen mit alko-holischer Barythydratlösung in die hei 152° C. schmelzende, in glänzendenBlättchen krystallisirende Säure: C 1[l H 30 O 3 , über (Jünger, Klages).
Der Nachweis von Gallensäuren in icterischem Harn kannwegen des auch im normalen Harn vorhandenen Indicans (s. S. 1116), welcheseine weinrothe bis violettrothe Färbung veranlasst, nicht direct mittelst derPettenkofer'schen Beaction (s. oben) geschehen. Um dieselben mit Sicher-heit im Harn nachzuweisen, fällt man nach Hoppe-Seyler den Harn mitBleiessig und wenig Ammoniak aus, wäscht den Niederschlag mit "Wasser,kocht ihn mit Alkohol aus, filtrirt heiss und verdunstet die Lösung desgallensauren Bleies mit einigen Tropfen Sodalösung zur Trockne. Der Bück-stand wird alsdann mit absolutem Alkohol ausgekocht, die erzielte Lösungauf ein kleines Volum verdunstet und dieses direct auf Gallensäuren nachPettenkofer geprüft (s. oben), oder dasselbe wird in einem verschliessbarenGefässe mit viel Aether versetzt. Hierdurch wird das gallensaure Natriumzunächst als amorpher Niederschlag abgeschieden, der sich jedoch oft nachlängerem Stehen in Büschel von Krystallnadeln verwandelt. Mit dem aufdiese Weise isolirten gallensauren Salze stellt man dann die Pettenkofer'-sche Beaction (s. S. 1862) an.
Die Pettenkofer'sehe Gallensäurenreaction kann auch derartig aus-geführt werden, dass man die Lösung des gallensauren Natriums mit einerSpur Bohrzuckerlösung von 2 Proc. auf einem Porcellanschälchen eintrocknenlässt und den Bückstand mit einem bis zwei Tropfen concentrirter Schwefel-säure verreibt. Bei Spuren von Gallensäure tritt die kirschrothe Färbungerst nach 10 bis 15 Minuten ein, hält jedoch dann meist etwa 30 Minuten an.
Gallenfarbstoffe. Die eigenthümliche Färbung, welche die Galle derverschiedenen Thiere zeigt, wird besonders durch das Vorhandensein zweierFarbstoffe, des Bilirubins und des Biliverdins, bedingt. Andere Gallen-farbstoffe, wie z. B. das Bilifuscin, das Bilihumin und das Biliprasin,finden sich nur in geringer Menge in den menschlichen Gallensteinen. DieGallenfarbstoffe scheinen sich durch Zersetzung des rothen Blutfarbstoffes zubilden und zum Theil in naher Beziehung zum Hämatin zu stehen, wenig-stens lassen sich Bilirubin und Biliverdin durch Beduction in denselben Farb-stoff, das Hydrobilirubin, überführen, welcher unter den gleichen Bedin-gungen aus Hämatin und Hämatoporphyrin (s. S. 1829) erzeugt wird. Aehnlichliegen die Verhältnisse bei den betreffenden Oxydationsprodueten (s. S. 1866).Die Gallenfarbstoffe sind nur zum Theil krystallisirbar. In Wasser sind sieunlöslich, dagegen werden sie leicht von verdünnten Aetzalkalien aufgelöst.Höchst charakteristisch für alle Gallenfarbstoffe ist ihr Verhalten gegen Sal-petersäure, die etwas salpetrige Säure enthält: Gmelin'sche Gallen-reaction —. Fügt man zur alkalischen Lösung der Gallenfarbstoffe sal-petrige Säure enthaltende Salpetersäure, oder Kaliumnitrit und Schwefelsäure,so färbt sich die gelbe Lösung zunächst grün, dann blau, violett, rubinrothund endlich schmutziggelb. Unterschichtet man die Gallenfarbstofflösungmit der Salpetersäure, so treten diese Farbenreactionen an der Berührungs-fläche auf (s. unten).
Zur Darstellung der Gallenfarbstoffe dienen gewöhnlich die Gallensteinevom Menschen oder vom Ochsen, in denen dieselben gebunden an Calciumund Magnesium in reichlicher Menge enthalten sind.