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Verfälschungen der Milch.
1851
malen. Die rothe Milch verdankt ihre Färbung einem geringen Blutgehalt,seltener der Entwickelung von Bacillus prodigiosus, Sarcina rosea etc., dieblaue Milch einem vielleicht den Bosanilinfarbstoffen nahestehenden Pig-ment, welches sich anscheinend durch Zersetzung des Case'ins oder Lactalbu-fflins unter Mitwirkung von Bacillus cyanogenus, bezw. B. cyaneofluorescensbildet. Die lange, schleimige oder fadenziehende Milch, deren Bahmsich in lange Baden ziehen lässt, scheint diese Eigenschaft einer anormalen,durch Bacillus lactis viscosus und andere Bacterien bedingten Beschaffenheitder Eiweisskörper zu verdanken. Wässerige Milch, rasch sauer wer-dende oder sich leicht zersetzende Milch wird meist durch schlechteFütterung der Kühe oder durch Unsauberkeit bei der Behandlung der Milch,bezw. die hierdurch geförderte Entwickelung von Bacterien und anderenMikroorganismen, verursacht. Aehnliche Verhältnisse verursachen auch dasBitter wer den der Milch und andere anormale Erscheinungen.
Verfälschungen der Milch. Die Fälschung der Milch besteht fastausschliesslich darin, dass man dieselbe einfach mit Wasser verdünnt, oderdass man sie durch Abrahmung theilweise entfettet und ihr selbst in diesemZustande unter Umständen noch Wasser zusetzt. Ein Zusatz von Wasser istUnter allen Umständen als eine Fälschung zu betrachten, während eine theil-weise Abrahmung nur dann als eine solche anzusehen ist, wenn derartige■Milch als ganze Milch verkauft wird, oder wenn die Abrahmung so starkerfolgte, dass die abgerahmte Milch beim Verkauf als Marktmilch wesent-lich unter 2,5 Proc. Fett enthält. Diese Fälschungen der Milch lassen sichdurch Bestimmung des specifischen Gewichtes und des Fettgehaltes nach vor-stehenden Angaben leicht constatiren. Da der Gehalt der normalen Milchan Sulfaten nur ein sehr geringer ist, so lässt sich häufig auch ein Zusatzvon Wasser durch eine vergleichende qualitative Prüfung auf Schwefel-säure erkennen. Die mit der zehnfachen Menge destillirten Wassers ver-dünnte Milch ist zu diesem Zweck mit Salzsäure anzusäuern, aufzukochen,das klare Filtrat mit Chlorbaryumlösung zu versetzen und die Mischungeinige Zeit stehen zu lassen.
Da die normale Milch frei ist von Nitraten, so giebt der Nachweisv on Salpetersäure mittelst Diphenylamin einen werthvollen Anhaltspunkt zurBeurtheilung, ob eine Fälschung der Milch durch Zusatz von Wasser statt-gefunden hat. Der Beweis für eine solche Fälschung kann jedoch nicht aus-schliesslich auf den Nachweis der Salpetersäure basirt werden, vielmehrOiüssen noch andere Beweisgründe (Aeusseres, specifisches Gewicht, Fett-gehalt etc.) vorliegen, um einen Zusatz von Wasser mit Sicherheit behauptenZ U können.
Zum Nachweis der Salpetersäure kocht man 100 com Milch mit 1,5 ccmChlorcalciumlösung von 20 Proc. auf und filtrirt. 20 mg DiphenylaminWerden in 20 ccm verdünnter reiner Schwefelsäure (l Vol. EPSO 4 , 3 Vol.B 2 0) gelöst und diese Lösung mit reiner concentrirter Schwefelsäure zul 00 ccm verdünnt. 2 ccm dieser Diphenylaminlösung werden in ein kleines,Weisses Porcellanschälchen gebracht, alsdann lässt man von obigem Milch-öltrat 0,5 ccm tropfenweise in die Mitte der Lösung fallen und das Ganze°bne zu mischen zwei bis drei Minuten ruhig stehen. Erst dann schwenketian das Schälchen gelinde um, überlasse den Inhalt wieder einige Zeit sichselbst und setze diese Operationen fort, bis die bei Gegenwart von Salpeter-säure auftretenden intensiv blauen Zonen sich verbreitert haben undschliesslich die ganze Flüssigkeit gleichmässig mehr oder minder intensiv"lau erscheinen lassen.
Um sich jedoch von der vollständigen Abwesenheit der Salpeter-