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10. Chemische Erzeugnisse aus Kohle.
aschefreie Masse berechnet bis 98°/ 0 Kohlenstoff; sie liefert demnachbeim Verbrennen, das ohne Rauchentwicklung unter Verglühen vorsich geht, große Hitze. Man verwendet die Koke in erster Linie fürhüttenmännische Zwecke, so bei der Gewinnung des Roheisens imHochofen. Die amerikanischen Öfen werden außer mit Anthrazit(Seite 70) auch mit Koke gespeist. Mit Koke ist nicht der gleich-falls in den Retorten sich bildende, und zwar an deren oberen Wan-dungen sich absetzende Kohlenstoff, Retortengraphit genannt, zuverwechseln. Dieser ist sehr dicht und leitet die Elektrizität vor-züglich; er wird gemahlen und zu Kohlenstiften für Bogenlampen undKohlenplatten für galvanische Elemente verarbeitet. Aus 100 kgSteinkohle werden in Leuchtgasanstalten 60 leg Koke, in Kokereienbeträchtlich mehr gewonnen. Das in den Kokereien gewonnene Gasdient zum Heizen der Koksöfen.
Ceer ist eine schwarze, zähflüssige Masse von eigentümlichemGerüche, meist etwas schwerer als Wasser (Dichte 1,1 bis 1,2) undstellt ein Gemisch von sehr verwickelt zusammengesetzten Ver-bindungen vor. Aus 100 kg Steinkohle werden etwa 6 kg Leer ge-wonnen. Er wird in überwiegender Menge durch Destillation weiterverarbeitet. Unmittelbar findet er zum Anstrich, zum Imprägnieren,zur Herstellung von Dachpappe, zur Brikettfabrikation und zur Ge-winnung von Ruß Verwendung, doch wird in vielen dieser Fällestatt Leer das bei seiner Destillation verbleibende Pech benutzt.
2. Erzeugnisse aUS Steinkohlenteer- Der Leer erfährt eine Ver-arbeitung, die der des Erdöls gleicht. In der Regel werden dabeivier Fraktionen unterschieden:
1. Leichtöl besitzt eine geringere Dichte als Wasser, schwimmtalso auf diesem. Sein Siedepunkt liegt zwischen 80 bis 170".
2. Mittel öl, dessen Dichte etwa 1 ist, siedet bis 230°.
3. Schweröl ist schwerer als Wasser und siedet bis 270".3. Anthrazenöl sind die über 270° siedenden Schweröle.
Als Rückstand verbleibt Pech, das zur Herstellung von Briketts,von Firnissen, von Asphaltpapier, von Dachpappe und als Straßen-pflaster dient. Damit ist nicht zu verwechseln das aus Holzteer ge-wonnene Schiffs- oder Schusterpech, das zum Kalfatern der Schiffe,zum Steifmachen des Schuhmacherhanfes und zur Bereitung wasser-dichter Kitte dient. Ebenso ist davon ganz verschieden das Brauer-pech, das zum Auspichen der Fässer gebraucht wird und im wesent-lichen aus Fichtenharz oder Kolophon besteht.
Die aufgezählten vier Fraktionen werden durch mannigfacheDestillation und durch verschiedene andere Maßnahmen in Stoffe um-gewandelt, zu denen die nachfolgend aulgeführten und die Teerfarbengehören.
Benzol ist eine wasserhelle Flüssigkeit, die bei 80" siedet undeine Dichte von 0,87 besitzt. Man nennt es im Handel häufig un-genau Benzin, von dem es chemisch wesentlich verschieden; besserist die auch gebräuchliche Bezeichnung Steinkohlenbenzin, wodurch zu-