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Einführung in die Warenkunde : ein Buch für Schule und Geschäft ; mit 137 Figuren im Text, 4 Weltkarten ... und je 1 Karte Europas und des Deutschen Reiches
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9. Erdöl, Erdwachs, Erdharz, Kohl

Gemeine Braunkohle, mattglänzend, sehr häufig mit deutlichemHolzgefüge, gelangt in Böhmen und Sachsen zum Abbau.

Erdige Braunkohle, eine braune, lockere Masse, findet als Heizstoffunmittelbar wenig Verwendung. Gewisse Abarten werden als brauneFarbe (Umbra, Seite 48) benutzt, andere sind bituminös (Schwel-kohle) und dienen zur Erzeugung von Stoffen, wie sie ans Erdöl ge-wonnen werden können ^vergl. Abschnitt 10).

Lignit zeigt wohlerhaltenes Holzgefüge. Man hat Lignit inStämmen von mehreren Metern Durchmesser gefunden, die nach derAnzahl der Jahresringe von über 3000 Jahre alten Bäumen her-rührten.

Vorkommen der Braunkohle. Hie deutsche Braunkohlen-industrie erstreckt sich über die Regierungsbezirke Merseburg, Frank-furt a. O., Magdeburg, über das Königreich Sachsen, HerzogtumSachsen-Altenburg, Herzogtum Anhalt und Herzogtum Braunschweig.Auch im Regierungsbezirke Köln, namentlich bei Brühl-Unkel wird Braun-kohle angetroffen.

Aufarbeitung der Braunkohlen. Da die geförderten Braun-kohlen durch ihren erheblichen Gehalt an erdigen Bestandteilen meistnicht unmittelbar zu verwerten sind, so wird an ihnen eine Veredelungvollzogen. Diese besteht in der Abscheidung der erdigen Braunkohlevon der derben und in der Herstellung von Briketts und Naßpreß-steinen. Erdige Braunkohle oder gemahlene derbe Kohle können ohneZusatz eines Bindemittels und ohne Anfeuchtung unter einem Druckevon 1200 bis 1500 Atmosphären verdichtet werden. Dabei ist Er-fordernis, daß d.ie Kohle mindestens 4°/ 0 Bitumen und etwa 18°/ 0 Wasserenthält. Durch den hohen Druck der Presse wird das Bitumen flüssigund verbindet die Kolilenteilchen zu einer festen Masse. Nach demVerlassen der Presse dehnen sich die Briketts wieder etwas aus undgeben Wasser ab. Bei der Verarbeitung der erdigen Kohle zu Naß-preßsteinen handelt es sich um die Verarbeitung eines dicken Teigesaus Kohle und Wasser, die mit dem Pressen des Tones zu Backsteinengroße Ähnlichkeit hat. Alle Arbeiten werden durch die Presse besorgt,nämlich: das Zerkleinern der Kohle, das Mischen derselben mit Wasser,das Pressen und Zerteilen des Kohlenteiges. Die jetzt gebräuchlichenKohlenpressen besitzen große Leistungsfähigkeit, indem eine solchePresse bei zwölfstündiger Arbeitszeit 80000 Steine herzustellen vermag.

Verbrauch im Zollgebiete. Für das Jahr 1904 ergeben sich,folgende Zahlen:

Erzeugung, Einfuhr, Ausfuhr, Verbrauch im ganzen, Verbrauch auf den Kopf.48600000 t, 7700000 t, 20000 t, 56280000 t. 900 kg.

Kohlengewinnung. Die nachfolgenden Zahlenangaben beziehensich auf das Jahr 1904 und geben je 1000 t an.1. Europäische Kohlenlager.

Großbritannien und Irland

Stein- und Braunkohlen 236000