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herausnimmt und nun massig rasch auf 1 m Länge auszieht;die Capillare soll vollkommen rund, sehr dünnwandig und etwa1 mm weit sein. Man schneidet sie in Stücke von 6—7 cmLänge, von denen ein Teil in einer kleinen Bunsenflamme ander einen Seite zugeschmolzen wird; die andern bleiben beider-seits offen.
Die Bestimmung des Schmelzpunktes von Fetten, Wachsund dergleichen wasserunlöslichen Körpern, die unter 100°schmelzen, erfolgt stets in der beiderseits offenen Capillareund im Wasserbade. Die betreffende Substanz wird vorsichtigim Porzellanschälchen geschmolzen, die Capillare soweit in dieflüssige Masse eingetaucht, dass eine etwa 1 cm hohe Schichtin dieselbe eintritt, und die auf diese Weise beschickte undäusserlich von anhängender Substanz gereinigte Capillare zumvölligen Erstarren ihres Inhaltes mindestens 24 Stundenan einen kühlen Ort, am besten direkt auf Eis gelegt. MitHilfe eines von einem dünnen Gummischlauch abgeschnittenenschmalen Ringes wird die Capillare sodann an einem Thermo-meter derart befestigt, dass der die zu prüfende Substanz ent-haltende Teil sich direkt an der Thermometerkugel befindet.Als Wasserbad dient ein Becherglas von etwa 300 cc Inhalt,das auf dem Drahtnetz durch eine untergestellte Bunsenflammeerhitzt wird. In dieses Wasserbad wird mittelst Stativs einetwa 3 cm weites und 10 cm hohes Reagensrohr eingehängtund dies soweit mit Wasser gefüllt, dass letzteres im Becher-glase und im Reagensrohr gleich hoch steht. (Es ist zweck-mässig, das Wasser vor Anstellung des Versuches auszukochenund wieder auf Zimmertemperatur sich abkühlen zu lassen, daandernfalls die beim Erhitzen sich an die Glaswandungen an-setzenden Luftblasen das Durchsehen erschweren.) In dasWasser des Innern Cylinders wird nun das am Stativ aufge-hängte Thermometer mit daran befestigter Capillare eingeführtund mit dem Erhitzen des Becherglases begonnen. Als Schmelz-punkt wird dann diejenige am Thermometer abgelesene Tem-peratur angenommen, bei der der Inhalt der Capillare ebenvöllig flüssig und durchsichtig geworden ist, welcher Punktsich in der Regel durch das infolge des Auftriebes des Wassersbewirkte Emporsteigen der geschmolzenen Substanz in der Ca-pillare anzeigt. — Bei der Wiederholung des Versuches ist dasWasser im Becherglase und im Reagensglase stets erst aufZimmertemperatur wieder erkalten zu lassen; niemalsdarf das Thermometer mit der Capillare in schon vorgewärmtesWasser gebracht werden, da die Schmelzpunktbestimmung sonstunrichtig ausfällt.
Die Bestimmung des Schmelzpunktes sonstiger festerKörper erfolgt in der auf einer Seite zugeschmolzenenCapillare. Eine kleine Menge der Substanz wird fein zer-rieben, auf ein Uhrglas gebracht und durch abwechselndes Ein-tauchen und sanftes Aufstossen der Capillare eine etwa 1 cm
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Medicus, Practicum. 2. Auflage.
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