Neue und verbesserte Spaltungsmethoden.
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Einer Statistik Waldens zufolge waren nach den Pasteur-schen Spaltungsmethoden im Jahre 1900 93 Spaltungen, „d. h.analytische Beweise für die Richtigkeit der Annahme der In-aktivität durch Racemie" erbracht. Zu diesen zählte er auch dieSpaltungen durch spontanen Zerfall racemischer Formen in rechts-hemiedrische und linkshemiedrische Kristalle. Solche sind z. B.bei Asparagin (Körner, Menozzi,Piutti), bei Laktonen (Fischer),bei Isohydrobenzoin (Erlenmeyer jun.) und bei Usninsäure(Widman) beobachtet worden.
Die früher erwähnten Spaltungsmethoden wurden auch invieler Hinsicht verbessert. Statt der Chininbasen waren bei Spal-tung der Säuren Strychnin und Brucin durch Fischer eingeführt.Bei der Spaltung der Basen sind günstige Erfolge speziell mitden Sulfosäuren des Camphers (Pope und Peachey, 1898) er-zielt worden. Eine direkte Spaltung der racemischen Aldehydeund Ketone (Zuckerarten) läßt sich mit optisch aktiven Aminen(Erlenmeyer jun., 1903), Hydrazinen (Neuberg, 1903) undMerkaptanen (d-Amylmerkaptan, Votozek, 1914) durchführen.
Die biochemische Spaltungsmethode erhielt durch Fischereine Erweiterung und zugleich gewissermaßen eine Erklärung. Erfand nämlich — die erste Beobachtung wurde 1894 gemacht x ) —daß Enzyme, welche alle selbst optisch aktiv sind, sich durchausverschieden gegenüber optischen Antipoden verhalten, daß sie diefeinsten stereochemischen Unterschiede zu unterscheiden vermögen.So läßt das Emulsin von zwei einander enantiomorphen Gluco-siden das eine unverändert, während das andere gespalten wird.Fischer nimmt an, daß zwischen den Enzymen und ihrem An-griffsobjekt eine Ähnlichkeit der molekularen Konfiguration be-stehen muß, wenn Reaktion erfolgen soll, „oder", wie er sagt,„sie müssen zueinander passen wie Schloß und Schlüssel, um einechemische Wirkung aufeinander ausüben zu können". Aus demVerhalten der Enzyme außerhalb des Organismus kann der Schlußgezogen werden, daß die biochemische Wirkung der niederenOrganismen auf Racemkörper eine gleiche Ursache hat und weiter,daß das allgemeine Auftreten optisch aktiver Verbindungen imOrganismus, als Produkte des Lebens, auf diesen Umstand zurück-zuführen ist.
Bei dieser biochemischen oder biologischen Methode handeltes sich offenbar um Verschiedenheiten in der Reaktionsgeschwindig-
1 ) „Einfluß der Konfiguration auf die Wirkung der Enzyme" (Ber. d .Deutsch, ehem. Ges. 27, 2985).