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Geschichte der organischen Chemie von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart
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Tautomerie.

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Pseudoformen „auf die Beweglichkeit des Wasserstoffatoms zurück-zuführen, da eine Ersetzung desselben durch andere GruppenStabilität hervorruft".

Ähnliche Beobachtungen wurden in den folgenden Jahrenbei mehreren anderen Verbindungen gemacht, z. B. bei y-Oxy-chinaldin (Knorr und Antrick) sowie bei Carbostyril (Fried-länder und Weinberg). Auch in diesen Fällen nahm man an,daß die aus ihren Derivaten freigemachten Pseudoformen sichsofort in die normalen Formen umlagern.

Conrad Laar 1 ), der erste, der (1885) dem vorliegendenProblem eine eingehendere Behandlung widmete, machte eine andereAnsicht geltend. „Das Prinzip der wechselnden Bindung", sagt er,„verdient, wie mir scheint, als Grundlage zur Erklärung vielerbisher auffälliger Erscheinungen eine größere Beachtung, als ihmbisher zuteil wurde." Während Baeyer angenommen hatte, daßz. B. dem Isatin nur eine der beiden in Betracht kommendenFormeln zukommen könne, stellte Laar, in Anlehnung an dieIdee Kekules bezüglich des Benzols, die Hypothese auf, daß füreine und dieselbe Verbindung mehrere Strukturformeln geltenkönnen oder, wie er sagt, „daß die verschiedenen Bildungs- undUmsetzungsformeln, welche man für zahlreiche Verbindungen an-nehmen muß, in manchen Fällen wohl auch als Konstitutions-formeln die gleiche Berechtigung besitzen," indem ein Wasserstoff-atom fortwährend seinen Platz wechselt, womit bei den anderenAtomen ein Bindungswechsel verknüpft ist. Die gegenseitigeBeziehung derartiger gleichberechtigter Formeln, durch welche,im Sinne dieser Hypothese, nicht isomere, sondern identischeKörper dargestellt werden, bezeichnete Laar als „Tautomerie"(ravTC, dasselbe und [isgog).

Bei den Tautomerieerscheinungen handelt es sich nach Laarwesentlich nur um den Platzwechsel eines Wasserstoff atoms. Danach den Anschauungen der kinetischen Gastheorie gerade dasWasserstoffatom bei den intramolekularen Bewegungen die relativgrößte mittlere Geschwindigkeit hat, so muß es sich im allgemeinenauch am lebhaftesten bewegen können. Man kann sich denVorgang der tautomeren Umlagerungen derart denken, „daß inerster Phase das leichtbewegliche Wasserstoffatom nach einerbestehenden Lücke (intramolekulare Vakuole) hingerückt werde,daß hierdurch an dem verlassenen Platze eine neue Lücke auftrete,

!) Ber. d. Deutsch, ehem. Ges. 18, 648; 19, 730.