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Geschichte der organischen Chemie von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart
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Starre oder bewegliche Struktur.

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Es gelang dagegen Wislicenus (1878), den Äther des Vinyl-alkohols, CH 2 =CH.OC 2 rI-,, darzustellen, welcher jedoch bei derHydrolyse nicht den entsprechenden Alkohol, sondern Aldehydergab. In ähnlicher Weise geht der Isopropenylalkohol, CH 2:C(OH).CH 3 , in Aceton über (Linnemann, Faworsky).

Eine andere hierher gehörige Erscheinung, welche schon frühdie Aufmerksamkeit auf sich gezogen, war das Verhalten desAcetessigesters. Seit der Entdeckung desselben (Geuther, 1863)schenkten die Chemiker dieser Verbindung viel Interesse, und ihreKonstitution wurde eifrig diskutiert. Nach der von Franklandund Duppa aufgestellten Formel (1865) wäre die Verbindungals Acetoncarbonsäureester, C H 3 . C 0. C H 2 . C 0 2 C 2 H 5 , anzusehen,und dieser Auffassung hatte sich auch Wislicenus, der dieVerbindung eingehend untersuchte (1877), angeschlossen. Geutherandererseits gab der Formel CH, .C(OH) = CH.COOC 2 H 5 denVorzug, d. h. er betrachtete dieselbe als /3-Oxycrotonsäureester.Für jede von diesen beiden Auffassungen konnten starke Gründeangeführt werden. Der Acetessigester schien in einigen Fällenals Keton zu reagieren, in anderen als eine OxyVerbindung.Irgend eine Isomerie konnte hier nicht nachgewiesen werden.

Anläßlich der oben erwähnten Umlagerung gewisser un-gesättigter Alkohole in Aldehyd bzw. Keton sprach Erlenmeyer(1880) als allgemein gültige Eegel aus, „daß sich die sekundären

Alkohole, in welchen die zwei Affinitäten des Eadikals CH.OHdurch zwei Affinitäten eines Kohlenstoffatoms (durch doppelteBindung) gesättigt sind, im Momente ihres Entstehens in Aldehydeumlagern, und daß ebenso alle tertiären Alkohole, in welchen

iizwei Affinitäten des Radikals C.OH durch zwei Affinitäten eines

Kohlenstoffatoms gesättigt sind, in Ketone übergehen."

Zincke drückte (1884) den Gedanken aus, daß man beimAcetessigester sowie auch bei einigen anderen Verbindungen ver-schiedene Strukturformeln in Betracht ziehen könne. (Er selbsthatte die Identität zwischen a-Naphtochinon-phenylhydrazid undBenzol-azo-«-naphtol konstatiert.)

Von besonderer Bedeutung für die Klärung desjenigen Begriffes,welcher später den Namen Tautomerie erhielt, d. h. der Tatsache,daß dieselbe Verbindung unter zwei strukturchemischen Formelnauftreten kann, wurden Baeyers Untersuchungen über das Isatin 1 ).

x ) Ber. d. Deutsch, ehem. Ges. 16, 2188.