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Geschichte der organischen Chemie von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart
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Triphenylmethyl.

Nachher wurden auch andere Darstellungsmethoden aufge-funden, nämlich aus Säureestern, Säurechloriden, Ketonen undDiazomethanverbindungen. Die Ketene sind meistens unbeständigeKörper, welche hohe Reaktionsfähigkeit besitzen. Sie sind leichtder Polymerisation und Autooxydation zugänglich und lagern sichadditioneil an ungesättigte Verbindungen an. Charakteristischist ihr leichter Übergang in Säuren und Säurederivate, so daßman sie geradezu als monomolekulare Anhydride von Säuren be-zeichnen könnte: R 2 C=CO + H 2 0 = R 2 CH.COOH.

Als erster Vertreter dieser Gruppe wurde das Diphenylketen,(C 6 H 6 ) 2 C:CO, dargestellt, und das erste aliphatische Keten wardas Dimethylketen, (CH 3 ) 2 C: CO (1906). Das allereinfachste Keten,CH 2 :CO wurde von Wilsmore entdeckt (1907).

„Die Zahl der Ketene wird zwar immer, infolge ihrer schwerenZugänglichkeit, gering bleiben, und auch praktische Bedeutungwird diesen Körpern deswegen wohl nie zukommen. In ihrenUmsetzungen zeigen sie aber eine noch kaum beobachtete Mannig-faltigkeit, und die Zahl ihrer Reaktionen wird sich bei weiteremStudium wohl noch beträchtlich vermehren lassen, so daß sicheine gesonderte Behandlung in den Lehrbüchern wohl bewährenkönnte" (Staudinger, 1912).

Wir müssen hier noch kurz die eigentümlichen Verbindungen,welche als freie Kohlenstoffradikale erscheinen oder als Ver-bindungen mit „dreiwertigem Kohlenstoffatom" bezeichnet werden,berücksichtigen. Wenn sie auch keine eigentliche spezielle Körper-gruppe bilden, so zeigen sie in bezug auf Zusammensetzung undVerhalten Eigenartigkeiten, die ihnen eine Sonderstellung in derorganischen Chemie geben. Der einfachste Repräsentant derselbenist das Triphenylmethyl, (C 6 H 5 ) 3 C, welches Gomberg 1 ) imJahre 1900 erhielt, als er Triphenylchlormethan unter ganz be-sonderen Umständen und bei sorgfältigem Luftausschluß mit Zinkbehandelte:

2(C 6 H 6 ) 3 CC1 + Zn = 2(C 6 H 5 ) 3 C- + ZnCl 2 .

Die so gewonnene Substanz zeigte in höchstem Maße dieEigenschaften einer ungesättigten Verbindung. Mit Jod liefertesie Triphenylmethanjodid, durch atmosphärischen Sauerstoff wurdesie in das Peroxyd, (C 6 H 5 ) 3 C.O .O.C(C 6 H 6 ) 3 , überführt usw. DasVerhalten war nach Gomberg nur mit der Annahme eines freienTriphenylmethyls vereinbar. „Die Existenz des Triphenylmethyls

x ) Ber. d. Deutsch, ehem. Ges. 33, 3150.