IX.
Die spätere Entwickeltmg der Radikaltheorie.Die Typentheorie von Williamson und Gerhardt
1849-1854.
„Es ist sehr merkwürdig, daß die zwei Theo-rien, w T elche früher gegeneinander standen, nunzu einer einzigen zusammenzufließen scheinen,welche alle Erscheinungen im Sinne beider Auf-fassungen erklärt." Liebig.
Der Begriff „chemischer Typus" war eine Frucht der Sub-stitutionstheorie, die in das unitarische System mündete. DerRadikalbegriff wieder hatte seine Wurzel in der dualistischen An-schauungsweise. Sie stellten aber nicht unvereinbare Gegensätzedar, auch wenn sie während der Zeit, die wir jetzt geschilderthaben, einander feindlich gegenüber standen. Die Versöhnungzwischen ihnen erhielt ihren Ausdruck in der neueren Typen-theorie, die unmerklich während der Streite der vierziger Jahresich vorbereitet hatte und am Ende des Dezenniums eine be-stimmtere Form annahm.
In einem früheren Kapitel sind wir der Entwickelung derRadikaltheorie (der älteren Radikaltheorie) bis zum Anfang dervierziger Jahre gefolgt. Liebig und andere mit ihm waren schondamals zu der Einsicht gekommen, daß die Auffassung der Radi-tale als der wirklichen Elemente der organischen Chemie oderals von besonders starken Kräften zusammengehaltener, als solcheexistierender Atomgruppen, nicht aufrecht zu erhalten war. Vorallem hatten die Substitutionserscheinungen gezeigt, wie veränder-lich die Radikale sind. Durch Gerhardts Theorie der ResteUn d durch sein unitarisches System war der Begriff noch mehrVerflüchtigt worden, indem die Radikale mit den Atomgruppenoder Molekülresten gleichgestellt wurden, die bei den chemischenUmsetzungen mit wechselnder Zusammensetzung hervortraten.
Die Konservativeren in der Chemie — mit Berzelius an derSpitze — versuchten, soweit möglich, die Radikaltheorie vom
Hielt, Gesch. d. organ. Chemie.
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