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Theorie der mehrbasischen Säuren.
sind, daß wir sie nicht erwarten und nicht erklären können.Die Wissenschaft geht ihren Gang vorwärts, es zeigen sich mehrereanaloge Tatsachen, und eine derselben liefert den Schlüssel zumRätsel. Versucht man dies zu lösen, bevor der Schlüssel gefundenist, so bekommt man nicht befriedigende Theorien, und wennsich der richtige findet, so wird er gewöhnlich als solcher vonallen erkannt; es liegt dann klar vor aller Augen, daß er derrichtige ist. Ich habe wiederholt die Meinung geäußert, es liegemehr wahrer wissenschaftlicher Geist darin, bestimmt einzusehen,daß eine Tatsache nicht genügend erklärt werden kann, als darin,mit dem Ausdruck von Überzeugung eine Erklärung zu geben,die sich auf etwas gründet, was vielleicht wahrscheinlich seinkann. Es ist eine alte Regel, daß man sich in acht nehmenmüsse, ein lex in casu zu machen. — Die hier angeführte Theoriegehört meiner Meinung nach zu denen, welchen man sogleichansieht, daß sie nicht die richtige ist, auch in dem Falle, wo mansich über die Natur der Erscheinungen keinen bestimmten Begriffmachen kann." Über die Auffassung der Citronensäure als drei-basisch äußerte er: „Schon die Idee von einer Säure, deren Atomzur Sättigung dreier Atome Sauerstoffbasis bedarf, zeigt, daß manzugunsten der Theorie über einen der Grundsätze für alle unsereBestimmungen von Atomgewichten weggleitet und von der indem vorangegangenen Programm ausgesprochenen, wahren undrichtigen Idee abweicht, daß für unsere Schlüsse die wohlbekanntenGesetze zugrunde zu legen seien, welche für die unorganischenVerbindungen gelten, und welche wir auch für alle Teile derChemie geltend erkennen."
Berzelius erklärt weiter, daß er weder eine Gesetzgebungfür die organische Chemie, in der neue Gesetze die alten aufheben,noch Ausnahmen von befestigten Gesetzen anerkennen werde.
An Liebig schrieb er: „Ich habe die Auseinandersetzung Ihrertheoretischen Spekulationen mit vielem Interesse gelesen. — Siehaben ein künstliches Haufwerk aufgebaut, welches durch denersten Windstoß heruntergeworfen wird. Dieses wird Ihnen einewohlverdiente Strafe sein, daß sie die schöne einfache, sichereTheorie, die sie als Glaubensbekenntnis 1 ) proklamiert haben, soflugs verließen." An Wöhler schrieb Liebig: „Berzeliusschlummerte und wir haben gearbeitet. Die Zügel sind ausseiner Hand geglitten, er erwacht darüber." „Es ist betrübend zu
2 ) Bezieht sich auf die gemeinsame Proklamation von Lieb ig undDumas.