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Geschichte der organischen Chemie von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart
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Begriff und Einteilung.

Innerhalb dieses Rahmens fanden die Kohlenwasserstoffe unge-zwungen nicht Platz, und die früher bekannten unter ihnen(Sumpfgas und Ölbildendes Gas) wurden auch allgemein zu demGebiete der anorganischen Chemie gerechnet. Das Vorkommenvon Kohlenwasserstoffen, obgleich mit komplizierterer Zusammen-setzung, in gewissen ätherischen Pflanzenölen (Terpenen) wirdauch von Berzelius als eine gewisse Anomalie hervorgehoben.Weder er noch andere Chemiker suchten zu dieser Zeit dieUrsache für den eigentümlichen Charakter der organischen Ver-bindungen in dem Kohlenstoff, obgleich dieser ein gemeinsamerBestandteil derselben war. Dies war aber auch mit dem Wasser-stoff der Fall, ja sogar, wie man damals annahm, mit demSauerstoff (die Kohlenwasserstoffe wurden nicht mitgerechnet),und der Sauerstoff war nicht nur von Lavoisier und seinennächsten Nachfolgern, sondern auch von Berzelius unter denElementen besonders hervorgehoben. Es ist kein Zufall, daßBerzelius, wenn er die organischen Elemente anführt, meistensdie Ordnung Sauerstoff, Wasserstoff, Kohlenstoff und nicht die jetztgebrauchte entgegengesetzte benutzt. Außerdem kam ja Kohlen-stoff in typisch anorganischen Verbindungen, wie Kohlenoxyd,Kohlensäure und ihren Salzen, vor, und bei ihm war also, wiees schien, der Schlüssel zu den besonderen Eigenartigkeiten derorganischen Verbindungen nicht zu finden.

Wie aus den angeführten allgemeinen Betrachtungen Ber-zelius' hervorgeht, schien ihm die organische Chemie schon frühals ein dem anorganischen Gebiete gegenüber abgegrenztes Ganzes.Die Grenzlinie zwischen den organischen und anorganischen Ver-bindungen war zwar noch lange unklar. Der Unterschied ließsich, wie Gmelin in seinem Handbuche der theoretischen Chemie(1817) sagt, „besser fühlen als definieren" — wir kommen späterdarauf zurück —, aber die vegetabilischen und animalischenStoffe waren unter demselben Dache vereinigt. Von der altennaturgeschichtlichen Einteilung konnte man sich doch nicht ganzlosmachen, und noch eine Zeitlang blieben die Pflanzen- und Tier-chemie Unterabteilungen der organischen Chemie. Dies beruhtezum Teil darauf, daß die physiologische Chemie, welche ja inbezug auf den Pflanzen- und Tierorganismus sich ganz ver-schieden gestalten mußte, immer noch ein Gegenstand der Be-handlung der organischen Chemie war. Die Abgrenzung zwischenden vegetabilischen und animalischen Stoffen hörte in der Chemieerst allmählich auf, indem man nach und nach fand, daß die-