Druckschrift 
Geschichte der organischen Chemie von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart
Entstehung
Seite
6
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

6

Vorgeschichte.

Die Verschiedenheit zwischen dem Spiritus aus Bleizucker unddem Weingeist wurde 1732 von Boerhave scharf betont.

Wie oben angedeutet wurde, sah man in der Einwirkung desFeuers (der Wärme) das beste Mittel, die Stoffe in ihre Bestandteilezu zerlegen, und die Betrachtungen über die Zusammensetzung derKörper schlössen sich schon während der alchemistischen und nochmehr während der iatrochemischen Periode diesem Prozesse an.Das Veränderliche dabei war sulpJmr (Schwefel), das unverändertFlüchtige mercurius (Quecksilber), zu denen später seil (Salz) alsdas Feuerbeständige kam. Dies galt sowohl für die mineralischen,als auch für die zum Pflanzen- und Tierreich gehörigen Stoffe.Libavius sagt in einem seiner Lehrbücher (um 1600) besondershinsichtlich der organischen Substanzen: Principia sunt säl,sulphur, mercurius, ex quibus fiunt Spiritus, liquoresque, olea, aquaeessentiales. Später wurden von einigen Chemikern auf Grund derbei der Trockendestillation gemachten Beobachtungen fünf ver-schiedene Grundbestandteile (Prinzipien) in den zur organischenNatur gehörigen Körpern angenommen, nämlich das Wässerigeoder Phlegmatische, das Geistige oder Merkurialische, das öligeoder Schweflige, das Salzige und das Erdige. Diese Ansicht wurdebesonders von Lefevre in seiner Traite de Chymie (1660) undvon Lemery in seiner Cours de Chymie (1675) ausgesprochen.Durch die Einwirkung der Hitze wurden diese Bestandteile von-einander getrennt und konnten deswegen in den Destillations-produkten nachgewiesen werden. So glaubte Lemery zeigen zukönnen, daß z. B. das Guajakharz alle diese Prinzipien enthalte,während er der Meinung war, daß der Weingeist und das Rosmarinölvorzugsweise aus dem Geistigen und dem Schwefligen zusammen-gesetzt seien. Boyle trat (1661) gegen die Auffassung auf, daßdie Körper, welche durch Zersetzung der organischen Substanzenbei höherer Temperatur gebildet werden, ihre wirklichen Bestand-teile sein sollten. Er hob besonders hervor, daß die Produkteganz verschieden seien, wenn die Zersetzung bei Zutritt oder beiAusschließung der Luft stattfindet.

Diese Ansicht, daß hier nicht nur eine einfache Analyse vor-liegt, sondern daß auch zugleich eine Veränderung der organi-schen Stoffe stattfindet, und daß man also auf diesem Wege nichtzu den wirklichen Bestandteilen der organischen Substanzenkommen konnte, gewann immer mehr Anerkennung. Man war zu-nächst bestrebt, durch Lösungsmittel, Destillation mit Wasser usw.einzelne Stoffe aus den organischen Körpern zu isolieren und sie