VIII
Vorwort.
Auseinandersetzungen der Kenntnisentwickelung innerhalb des be-treffenden Gebietes anzusehen. Bei ihrer Ausarbeitung sindvielfach sekundäre Quellen benutzt worden, welche als Vorträgeoder Monographien über einzelne Gruppen von Stoffen oder Er-scheinungen vorliegen. Ich bin mir völlig bewußt, daß geradediese Teile des Werkes an vielen Mängeln leiden. Die Notwendig-keit, den Umfang derselben stark zu begrenzen, hat hier vielleicht,im Vergleich zu dem Reichtum des Stoffes, eine allzu große Knapp-heit der Darstellung bedingt, wobei wohl auch eine gewisse Sub-jektivität in der Wahl der Forschungen und Forschungsresultate,welche berücksichtigt wurden, zum Vorschein kommen kann.
Die wichtigsten Perioden innerhalb der Entwickelung derorganischen Chemie, die hier hervortretenden verschiedenentheoretischen Anschauungen, sind schon früher im Zusammenhangmit der Geschichte der allgemeinen Chemie behandelt worden. Icherinnere nur an die bekannten Werke von Kopp, „Die Entwicke-lung der Chemie in der neueren Zeit", Ladenburg, „Vorträgeüber die Entwickelungsgeschichte der Chemie" und E. v. Meyer,„Geschichte der Chemie". Der einzige, der es versucht hat, einebesondere Behandlung der Geschichte der organischen Chemiezu geben, ist Schorlemmer in seiner im Jahre 1889 erschienenenSchrift: „Der Ursprung und die Entwickelung der organischenChemie", die aber allzu kurz und aphoristisch ist, um ein zu-sammenhängendes und vollständigeres Bild von der Entwickelungauf diesem Gebiete geben zu können. Schorlemmer ist offenbarvon dem Gedanken ausgegangen, daß die organische Chemie nachihrer ganzen Natur, ihren Methoden, Problemen und Zielen hin-reichend eigenartig ist, um für sich geschichtlich verfolgt unddargelegt zu werden. Es ist auch gerade dieser Gedanke, den ichaufgenommen habe und in diesem Werke weiter entwickeln wollte.
Das Werk lag beinahe fertig vor, als der Weltkrieg ausbrach,zu welcher Zeit ich mich in Deutschland befand. Das Manuskriptwurde dem Verleger in dem Gedanken übergeben, daß die Heraus-gabe des Buches bis auf ruhigere und hellere Zeiten verschobenwerden sollte. Indessen hat der Verleger, mit fester ruhiger Zu-