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Lehrbuch der Zoologie
Entstehung
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Cölenteraten.

welche die Fortbewegung der Ctenophoren vermitteln und als quereReihen langer, verklebter Wimpern aufgefaßt werden müssen. Die Ruder-plättchen (Fig. 199, 200) entspringen von dicken Epithelwülsten, welchequer zur Richtung der Meridianstreifen gestellt und meist so weit von-einander entfernt sind, daß die freien Ränder der oberen Plättchen dieBasen der unteren dachziegelartig decken. Infolge ihrer faserigen Structuririsieren die Ruderplättchen im Sonnenlicht in den lebhaftesten Regen-bogenfarben. Da die Ruderreihen erst in einiger Entfernung vom ab-oralen Pole beginnen, sind sie mit dem Sinneskörper durch StreifenWimperepithels, die Flimmerrinnen (Fig. 203 w), in Verbindung ge-bracht. Wie die anatomischen Verhältnisse erkennen lassen und auchexperimentell hat nachgewiesen werden können, ist der Sinneskörper einSinnesorgan für das Balancegefühl; er dient dazu, die Tätigkeit der ein-zelnen Ruderreihen zu regulieren.

Aus dem Ectodermepithel entstehen noch zwei weitere Organe, diezwei Polplatten (Fig. 203//) und die zwei Tentakeln (Fig. 200/).Erstere sind Epithelzungen, welche in sagittaler Richtung vom Sinnes-körper aus eine kurze Strecke weit reichen und vielleicht Riech- oderGeschmacksorgane darstellen; letztere liegen in der Transversalebene amGrunde von tief eingestülpten Säcken, in welche sie zurückgezogen werdenkönnen. Am Grunde des Tentakelsackes befindet sich die Tentakehvurzel;von ihr erhebt sich der Tentakelstamm, von dem wiederum die seitlichenSenkfäden herabhängen. Tentakelstamm und Senkfäden haben eine Achsevon Längsmuskeln, welche von Epithel überzogen wird. Der epithelialeÜberzug besteht, abgesehen von wenigen Sinneszellen, ausschließlich ausden Klebzellen, kugeligen Körperchen, welche ein äußerst klebriges, in Körn-chen abgelagertes Secret enthalten und ähnlich dem Körper einer Vorticellemit ihrem basalen Ende auf einem spiralen Stielmuskel sitzen (Fig. 163t).Die Function der eigentümlichen Zellen ist so zu verstehen, daß Beute-tiere, welche von dem klebrigen Secret festgehalten werden, zunächst dieStielmuskeln ausdehnen können, dann aber durch die spirale Zusammen-ziehung derselben wieder in das Niveau der Epitheloberrläche gebrachtwerden.Darm- und Das Ectoderm hat endlich noch Anteil an der Bildung des Gastro-

Ge oig.w.' s "vascularSystems (Fig. 200). Von der Mundöffnung aus, welche beinormaler Haltung des Tieres das untere Ende der Hauptachse bezeichnet,schlägt es sich in das Innere ein und kleidet einen ansehnlichen Hohl-raum aus, der dem Schlundrohr der Actinien verglichen werden kann,aber allgemein noch Magen genannt wird. Erst am hinteren Ende diesesHohlraums beginnt der eigentliche entodermale Magen, der sogenannteTrichter, von dem aus zahlreiche, meist blind geschlossene Kanäle sichin der Gallerte verbreiten, um die einzelnen Organe zu versorgen. Zwei(selten vier) Kanäle, die Trichtergefäße, verlaufen nach dem aboralenPole und münden hier in gekreuzter Stellung neben dem Sinneskörper:ein zweites Paar Kanäle tritt an die Tentakelwurzel heran, ohne jedochin sie einzudringen, ein drittes Paar begleitet den Magen. Die wichtigstenunter sämtlichen Kanälen sind aber die Rippengefäße, welche aus demTrichter mittelst eines linken und rechten zweimal dichotom verästeltenHauptkanals entspringen; acht an der Zahl, verlaufen sie unter den Meri-dianstreifen und dienen nicht nur diesen, sondern auch den Geschlechts-organen zur Ernährung. Jedes Rippengefäß enthält nämlich in seinemden Ruderplättchen zugewandten Epithel 2 Längsstreifen von Ge-schlechtszellen, von denen der eine männlich, der. andere weiblich ist;