192
Protozoen.
Griffel und hakenförmig gekrümmte Cirren; letztere werden wie Beineder Insecten mit großer Behendigkeit zum Laufen auf Unterlagen ver-wandt. Zum Herbeistrudeln der Nahrung und zum Schwimmen dient eineebenfalls ventral gelagerte .mächtige adorale Wimperspirale. Der Haupt-kern ist oft in zwei ovale, durch einen Faden verbundene Körper zer-fallen. Die Zahl der Nebenkerne schwankt zwischen zwei und vier beiderselben Art; kein Infusor eignet sich zur Beobachtung der Nebenkerneso vorzüglich wie die Hypotrichen. — Die bekanntesten hypotriehenInfusorien sind die Slylonychien, Stylonychia mytihis Müll.
V. Ordnung. Suctorien oder Acinetinen.
Von den typischen Infusorien weichen die Sauginfusorien oderSuctorien (Fig. 22 S. 56) dadurch ab, daß sie als ausgebildete Tierekeine Wimpern und damit auch keine freie Ortsbewegung besitzen; siesind entweder mit ihrer Basis auf einer Unterlage festgewachsen oder aufeinem schlanken Stiele befestigt. Der gewöhnlich kugelige Körper istvon einer Cuticula bedeckt, welche bei der Gattung Acineta sich stellen-weise abhebt und zu einem becherartigen Gehäuse erhärtet. Eine Mund-öffnung fehlt, dafür sind die Suctorien mit Tentakeln oder Saugfüßchenversehen, feinsten Röhrchen mit contractilen Wandungen, die im Proto-plasma des Körpers beginnen und durch die Cuticula hindurchtreten.Die Acineten töten mittels ihrer Tentakeln andere Tiere, namentlich In-fusorien, legen die saugnapfartigen Enden der Tentakeln an und saugensie aus. Im Innern des Protoplasma liegt außer den nur selten fehlendencontractilen Vacuolen der große kompakte Kern; auch Nebenkerne scheinenallgemein verbreitet zu Sein. Im Gegensatz zu den wenig oder gar nichtbeweglichen ausgebildeten Tieren sind die Jugendformen sehr geschickteSchwimmer, welche nach Art der holotrichen, hypotrichen oder peritrichenInfusorien bewimpert sind. Sie bilden sich als knospenförmige Aus-wüchse auf der Oberfläche eines Muttertieres oder auch als „Embryonen"im Innern; letzteres ist jedoch nur scheinbar und so zu erklären, daßdie Stelle der Körperoberfläche, welche die Knospe erzeugt, vorher insInnere des Körpers zur Bildung der Bruthöhle eingestülpt worden war.Nach längerem Herumschwimmen kommen die Tiere zur Buhe, indem siesich festsetzen, die Wimpern einziehen und Saugröhren bilden.
Im Süßwasser sind einige Podophryen (P. quadripartita Clap. u.Lachm.) weit verbreitet, außerdem die in Infusorien schmarotzende Sphae-rophrya; im Meer lebt auf Hydroiden und Broyzoen neben zahlreichenArten der Gattung Acineta die Podophrya (Ephelota)B. Hertw. (Fig. 22 S. 56).
Zusammenfassung der wichtigsten Resultate über Protozoen.
1. Die Protozoen sind einzellige Organismen ohne echte Gewebeund ohne echte Organe.
2. Alle Lebensprozesse werden durch das Protoplasma (Sarcode)vermittelt, die Verdauung stets unmittelbar vom Protoplasma, die Fort-bewegung und Nahrungsaufnahme durch Fortsätze des Protoplasma(Pseudopodien) oder durch Anhänge (Wimpern und Geißeln).