Druckschrift 
Lehrbuch der Zoologie
Entstehung
Seite
87
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Allgemeine Zoologie.

87

Ver-

Zwisclien niederen und höheren Tieren gibt es selbstverständlich Über-gänge, bei denen die Spezialisierung früher oder später Halt gemacht hat.

Jeder Stoffwechsel beginnt mit der Zufuhr der geeigneten Nahrung; 8(es müssen die festen und flüssigen Bestandteile dem Körper einverleibt Organe derund verdaut, d. h. in einen Zustand übergeführt werden, in welchem sieresorbiert und den Geweben zugeleitet werden können. Das alles ge-schieht durch den oft mit Anhangsorganen, den Verdauungssäfte lieferndenDrüsen versehenen Darm (Tractus intestinalis), welcher zugleich auchalle unverdaut gebliebenen Massen (die Fäkalien) entfernt. Das zumLebensunterhalt nötige Gas, der Sauerstoff, wird dagegen gewöhnlichdurch besondere Körperteile, die Respirationsorgane, durch Kiemen oderLungen aufgenommen. Der Sauerstoff und die verdauten und dadurchin gelösten Zustand übergeführten organischen und anorganischen Ver-bindungen müssen weiter im Körper verteilt und nach Bedarf den fune-tionierenden Organen und Geweben zugeleitet werden. Dazu sind zumeistdie Blutgefäße oder die Circulationsorgane da, welche den Körper nachallen Richtungen hin durchsetzen. Die Gewebe bedürfen nun aber nichtallein der Zufuhr neuen Materials, sondern auch der Entfernung der un-brauchbar gewordenen Stoffe. Die bei den Arbeitsleistungen entstehendenOxydationsprodukte, die Stoffe derregressiven Metamorphose", sind demOrganismus, wenn sie in ihm angehäuft werden, schädlich und zum Teilgeradezu giftig. Damit sie entfernt werden können, werden sie ebenfallsvom Blutgefäßapparat oder ähnlich functionierenden Einrichtungen gewöhn-lich in gelöstem Zustande aufgenommen und an die zur Ausscheidungoder Excretion bestimmten Stellen gebracht; solche excretorische Stellensind für die Flüssigkeiten die Nieren der Wirbeltiere, die MalpighischenGefäße der Insecten, die Wassergefäße der Würmer, Einrichtungen,welche man samt ihren Hilfsapparaten unter dem gemeinsamen NamenExcretionsorgane" zusammenfaßt. Excrete sind sehr wohl von Fäkalienzu unterscheiden; sie sind Stoffe, welche die Gewebe des Körpers passierthaben und durch Oxydation unbrauchbar geworden sind, während die vonAnfang an unbrauchbaren Teile, welche die Fäkalien bilden, streng ge-nommen, niemals dem Körper angehört haben, sondern von den Gewebenstets durch die Grenzschicht des Darmepithels getrennt geblieben sind.Das gasförmige Oxydationsprodukt des tierischen Körpers, die Kohlen-säure, wird durch die Respirationsorgane entfernt. Indem in den Respi-rationsorganen ein Austausch der unbrauchbaren Kohlensäure gegen denzum Leben nötigen Sauerstoff stattfindet, haben dieselben eine Doppel-stellung und sind Excretionsorgane und Organe der Nahrungsaufnahmezugleich.

Nach diesem allgemeinen Überblick müssen wir noch auf die ein-zelnen Organsysteme etw r as genauer eingehen.

I. Darmsysteiii. Da die Nahrungsaufnahme und Assimilation die Archenteronfür die Erhaltung des Tieres wichtigsten Functionen sind, ist es begreif- i.lieh, daß der Darm zuerst von allen Organen in der Tierreihe auftrittund auch entwicklungsgeschichtlich sich fast überall am frühesten anlegt.An diesem Satz wird dadurch nichts geändert, daß manche Würmer(Cestode?i) und Krebse (Rhizocephalen) keinen Darm besitzen: denn wirkönnen mit Bestimmtheit sagen, daß diese Tiere durch Anpassung aneine besondere Lebensweise, den Parasitismus, den Darm verloren haben.Die niedrigst organisierten, vielzelligen, frei lebenden Tiere sind einfacheoder verzweigte Darmschläuche, welche nur eine einzige als Mund undAfter funetionierende Öffnung besitzen (Fig. 56). Ein derartiges Tier