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Lehrbuch der Zoologie
Entstehung
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Entwicklung der systematischen Zoologie.

und 3. kurz gefaßte klare Diagnosen einführte. Bei der Gliederung desSystems verwandte Linne 4 Kategorien; er teilte das ganze Tierreichin Klassen, die Klassen in Ordnungen, diese in Genera, die Genera end-lich in Arten ein; der Begriff der Familie war dem Systema Naturaefremd. Noch wichtiger war die binäre Nomenklatur. Bis dahin warenin der wissenschaftlichen Welt die Vulgärnamen üblich, was zu vielenMißständen geführt hatte; dieselben Tiere wurden mit verschiedenen,verschiedenartige Tiere mit gleichen Namen belegt; in der Benennungneu entdeckter Tiere herrschte kein allgemein gültiges Prinzip. DieseÜbelstände wurden von Linne in der X. Auflage seines Systems voll-kommen beseitigt durch Einführung einer besonderen wissenschaftlichenBenennung. Ein vorangestelltes Hauptwort bezeichnet die Gattung, zuwelcher das Tier gehört, ein zugefügtes zweites Wort, meist ein Adjektiv,die jedesmalige Art innerhalb der Gattung. Die Namen Canis familiaris,Canis lupus, Canis vulpes sagen aus, daß Hund, Wolf und Tuchs ein-ander nahe stehen, indem sie zu derselben Gattung, zur Gattung derhundeähnlichen Tiere, gehören, innerhalb deren sie besondere Arten bilden.Die Linnesche Benennungsweise war namentlich bei der Beschreibungneuer Arten von großer Bedeutung, insofern sie den Leser gleich vonAnfang darüber orientierte, in welche verwandtschaftlichen Beziehungendie neue Spezies zu bringen sei.

Bei der Charakteristik der einzelnen systematischen Gruppen brachLinne vollkommen mit dem bis dahin üblichen Brauch. Seine Vorgänger,wie Gessner, Aldrovandi, hatten in ihren Naturgeschichten von jedemTier eine langatmige und ausführliche Schilderung gegeben, in welcherdas, was besonders charakteristisch für das Tier war und bei seiner Be-stimmung vornehmlich Berücksichtigung verlangte, für den Anfänger kaumherauszufinden war. Dagegen führte Linne kurze Diagnosen ein, welchein wenigen, nicht einmal in Satzform gefaßten Worten nur das zum Er-kennen Notwendige enthielten. Damit war der Weg gefunden, auf demes möglich wurde, bei der enorm wachsenden Zahl bekannter Tiere dieÜbersichtlichkeit zu wahren.

In den hervorgehobenen großen Vorzügen der Linneschen Syste-matik lagen nun aber auch gleichzeitig die Keime zu der einseitigenEntwicklung, welche die Zoologie unter dem Einfluß Linnes genommenhat. Die unzweifelhaft notwendig gewordene logische Durchbildung derSystematik machte diese zu einer glänzenden Erscheinung, welche darübertäuschte, daß sie nicht Endzweck der Forschung, sondern nur ein wich-tiges und unentbehrliches Hilfsmittel derselben sei. In der Freude, dieTiere zu benennen und zu klassifizieren, ging das höhere Ziel der For-schung, das Wesen der Tiere zu erkennen, verloren, und es erlahmte dasInteresse für Anatomie, Physiologie und Entwicklungsgeschichte.

Man kann diese Vorwürfe dem Vater der Richtung, Linne. selbstnicht ersparen. Indem er in seinem Systema Naturae eine außerordent-lich viel größere Zahl von Tierarten bewältigte als irgend ein frühererZoologe, hat er keine Vertiefung unserer Kenntnisse herbeigeführt. DieArt, wie er das Tierreich in Hauptgruppen einteilte, ist im Vergleichzum Aristotelischen System eher ein Rückschritt als ein Fortschrittzu nennen. Linne teilte das Tierreich in 6 Klassen: Mammalia, Aves,Amphibia, Pisces, Insccta, Vcrmes. Die 4 ersten Klassen entsprechenden 4 Gruppen der Bluttiere des Aristoteles. Mit der Einteilung derwirbellosen Tiere in Vcrmes und Insecta steht Linne unzweifelhaft