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Lehrbuch der Zoologie
Entstehung
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Einleitung

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deren Erklärung erst durch die Descendenztheorie angebahnt worden ist,wie bei der Darstellung der letzteren gezeigt werden soll.

Zur Morphologie gehört als ein wichtiger integrierender Bestandteil ontogenndie Ontogenie oder die Entwicklungsgeschichte. Nur wenige Tieresind am Anfang ihrer individuellen Existenz in allen ihren Teilen fertiggebildet; nieist entstehen sie aus dem Ei, einem verhältnismäßig ein-fachen Körper, und gewinnen erst allmählich auf dem Wege komplizierterFormwandlungen ihre bleibende Gestalt. Der Morphologe muß in mög-lichst lückenloser Reihe die einzelnen Formzustände durch Beobachtungfeststellen, sie mit dem ausgebildeten Tiere und mit dem Bau und denEntwicklungsstadien anderer Tiere vergleichen. Hierbei offenbart sichihm dieselbe Gesetzmäßigkeit, welche den Bau der ausgebildeten Tierebeherrscht, deren Erkenntnis sowohl für die Systematik als auch für dieursächliche Erklärung der Tierformen von fundamentaler Bedeutung ist.Die Entwicklungszustände des Menschen verraten gesetzmäßige Überein-stimmung nicht nur mit dem Bau des ausgebildeten Menschen, was an undfür sich ja begreiflich wäre, sondern auch mit dem Bau niederer Wirbeltiere,wie der Fische, ja selbst vieler Tiere aus den Gruppen der Wirbellosen.

Wie der Morphologe den Bau, so hat der Physiologe die Lebens-Pbysioiogierscheinungen des Tieres und die Functionen seiner Organe zu erforschen.Früher hielt man das Leben für die Äußerung einer besonderen, nur inden Organismen tätigen Lebenskraft und verzichtete damit auf eineendgültige Erklärung der Lebensvorgänge. Die meisten modernen Phy-siologen hahen die Theorie von der Lebenskraft verlassen; sie haben denVersuch unternommen, das Leben in eine Summe äußerst komplizierterchemisch-physikalischer Prozesse aufzulösen, und somit die auf dem Ge-biete des Anorganischen herrschenden Erklärungsprinzipien auch auf dasOrganismenreich zu übertragen und haben unzweifelhaft auf diesem Wegegroße Erfolge erzielt.

Da jede organische Form ein Produkt ihrer Entwicklung ist, daferner die Entwicklung sich uns als eine Summe mannigfaltigster Lebens-prozesse darstellt, so ist auch die Entstehung der organischen Körper-formen in letzter Instanz ein physiologisches Problem, freilich ein Problem,dessen Lösung mit den allergrößten Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Esgilt zu erklären, wie es kommt, daß das so einfach erscheinende be-fruchtete Ei sich in einen komplizierten Organismus mit vielen gesetz-mäßig angeordneten Organen umwandelt. Die Vielgestaltigkeit des aus-gebildeten Tieres muß der Anlage nach im Ei enthalten sein. Strittig'St jedoch, wie wir uns diese Anlage vorzustellen haben, ob als einMosaik kleinster Teilchen, von denen "ein jedes eine spätere Eigenschaftdes Organismus repräsentiert oder als eine Substanz von einfacheremBau, die erst im Laufe der Entwicklung die Vielgestaltigkeit entstehenläßt. Man kann hier experimentell vorgehen, indem man durch plan-mäßige Eingriffe die Entwicklungsbedingungen künstlich verändert unddas Resultat dieser Eingriffe mit den normalen Vorgängen vergleicht.Man kann aber auch die Modifikationen studieren, welche ein und der-selbe Entwicklungsvorgang bei verschiedenen Tierarten erfährt, Modifi-kationen, die durch die verschiedenen Lebensbedingungen der Tiere undihrer Jugendzustände bedingt sind. Dieselben sind gleichsam Experimente,welche von der Natur selbst angestellt wurden und denselben erklärendenWeit besitzen, wie künstlich angestellte Experimente. Auf beiden For-schungswegen ist schon viel im Lauf der letzten Jahrzehnte erreicht undein tieferes Verständnis der Entwicklungsvorgänge erzielt worden.

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Entwick-lungsphysJO'logie (Ent-

wicklungs-mechanik).