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Lehrbuch der Zoologie
Entstehung
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Einleitung.

Der Mensch welcher vorurteilsfrei die Natur zu beobachten gelernthat sieht sich inmitten einer bunten Mannigfaltigkeit von Organismen,welche ihm in ihrem Bau und mehr noch in ihren LebenserscheinungenÄhnlichkeit mit dem eigenen Wesen verraten. Die Ähnlichkeit tritt ihmbei vielen Säugetieren, besonders den menschenähnlichen Arien, mit derDeutlichkeit einer Karrikatur entgegen, verwischt sich bei den wirbellosenTieren, läßt sich aber selbst bei den niedersten Lebewesen deren Kennt-nis wir der Hilfe des Mikroskops verdanken, noch nachweisen, wennauch hier die Lebensvorgänge, welche in unserem Körper eine staunens-werte Komplikation und Vollkommenheit erreicht haben nur in ihreneinfachsten Grundzügen erkannt werden können Der Mensch ist Teileines großen Ganzen, des Tierreichs, eine Gestalt unter den vielen Hundert-tausenden von Gestalten, in denen die tierische Organisation zum An,-

druck gelangt. , . ... . ,

Will man den Bau des Menschen daher vollkommen verstehen, somuß man ihn auf dem Hintergrund betrachten, welchen die Organisations-verhältnisse der übrigen Tiere bilden, und zu dem Zweck diese Organi-sationsverhältnisse erforschen. Derartige Bestrebungen waren es, denendie wissenschaftliche Tierkunde oder die Zoologie ihre Entstehung undfortdauernde Förderung verdankte: sie sind auch heute noch vollkommenberechtigt und dürfen von dem Zoologen nicht vernachlässigt werden.Allein inzwischen hat sich die Aufgabe der Zoologie erweitert; auch un-abhängig von den Beziehungen zum Menschen hat der Zoologe die Ge-stalten der Tiere und das Verhältnis derselben zu einander zu erklären.Frist das ein reiches Feld wissenschaftlicher Tätigkeit, dessen ungeheureAusdehnung bedingt wird einerseits von der fast unerschöpflichen Mannig-faltigkeit der tierischen Organisation, andererseits von der \ erschieden-artigkeit der Gesichtspunkte, mit denen der Zoologe an die Lösungseiner Au|aben g heran^ ^ ^^ ^ flb m ,

wissenschaftlichen Kreisen die Auffassung, welche sich jetzt noch unter * en als die herrschende erhalten hat, daß die Zoologie die Angabehaue die einzelnen Tiere mit Namen zu belegen, nach wenigen leichterkennbaren Merkmalen zu charakterisieren und in einer die schnelleBestimmung ermöglichenden, übersichtlichen Weise anzuordnen. UnterTierk verstand man Systematik der Tiere, das heißt nur einenTed der Zoologie, sogar einen Teil, der für sich allem von un ergeord-neter Bedeutung 4t und auf wissenschaftlichen Wert nur dann Ansprucherheben kann, wenn er mit anderen Fragen (Tiergeographie, Variabilität»-

Bortwig, Lehrbuch der Zoologie. S. Aufl.