Druckschrift 
Kurzes Lehrbuch der anorganischen Chemie : ein Repetitorium für Chemiker, Mediciner und Pharmaceuten
Entstehung
Seite
290
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

290

Anorganische Chemie,

I

oder Platingefässen. Die so gewonnene rohe oderenglische Schwefelsäure [Acidum sulfuricum cru-dum], auch Vitriolöl genannt, enthält noch ca. 8 Proc.Wasser, geringe Mengen von Blei und Arsen. Bei derDestillation der rohen Schwefelsäure geht anfangs wässe-rige Säure über; sobald die Temperatur auf 330° ge-stiegen, destillirt fast reine Schwefelsäure [Acidumsulfuricum, Acid. sulfuric. pur. s. rectificat], miteinem Gehalt von 98.5 Proc. SOiH« und dem spec.Gew. 1.84. Die officinelle verdünnte Schwefelsäure [Aci-dum sulfuricum dilutum] wird bereitet aus 1 TheilSchwefelsäure und 5 Theilen Wasser.

Concentrirte Schwefelsäure, eine dickliche, öl-artige Flüssigkeit, zieht energisch Wasser an, wesshalbsie zum Trocknen von Gasen und bei Exsiccatoren Ver-wendung findet. Mit Wasser mischt sie sich unter be-deutender Wärmeentwickelung 1 ); daher ist es rathsam,stets die Säure in clünnem Strahl zum Wasser zu giessen,und nicht umgekehrt! In Folge dieser grossen Affinitätzu Wasser wirkt concentrirte Schwefelsäure auforganische Substanzen öfters wasserentziehend; dieselbeschwärzt daher durchVerkohlung Papier, Holz,Zucker etc.,entwickelt aus Oxalsäure Kohlenoxyd, CO, (cf. pag. 195),aus Alkohol Aethylen, C2H1 (cf. organ. Chemie) u. s. f.Durch Abkühlen auf — 35° erstarrt die concentrirte Säurezu weissen Krystallen von wasserfreier Schwefel-säure; spec. Gew. 1.837, Schmelzp. 10.5°. Wird letztereerhitzt, dann entweichen schon bei 40° weisse Dämpfevon Schwefelsäureanhydrid und bei 330° destillirt wiederdie Säure mit 98.5 Proc. SO4.H2. Beim Ueberleiten vonSchwefelsäuredämpfen über erhitzte Ziegelsteine er-leidet die Säure eine vollständige Dissociation: SOrHa =SO ä + O + OH2; cf. pag. 274 und pag. 287, Anm. 1.Auf der gleichen Zersetzung beruht die Einwirkung von

') Hierbei tritt zugleich Contraction ein; das Maximum d e rContraction entspricht der Bildung des Hydrates, SO4H22H2O.Ausserdem existiri noch das Hydrat, SCUHa-HsO, farblose Prismenvom Schmelzp. 8.5°.