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Kurzes Lehrbuch der anorganischen Chemie : ein Repetitorium für Chemiker, Mediciner und Pharmaceuten
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Anorganische Chemie.

Das Schwefeldioxyd, SO*, Schwefligsäure-anhydrid, welches in Vulcangasen vorkommt, entstehtbeim Verbrennen von Schwefel; im Grossen gewinntman es meist durch Rösten von Schwefelkies (Eisen-kies, Pyrit), FeSs; 2 FeS 2 + 11 O = Fe 2 0 3 + 4 S0 2 . ImLaboratorium stellt man Schwefeldioxyd gewöhnlichdar durch Erhitzen von Kupferdrehspänen mit con-centrirter Schwefelsäure, cf. pag. 102, oder manzersetzt Calciumsulfit resp. primäres Natriumsulfitmit Säuren: SOsCa + SO4H2 = SO2 + OH 3 + SCuCaresp. 2 SOsNaH + SO4 H 3 =2SO 2 -f 2 OH. + SO*Na».Als wasserlösliches Gas muss man Schwefeldioxydüber Quecksilber auffangen. Es ist farblos, besitzt einenerstickenden Geruch und das spec. Gew. 2.21. DurchDruck (2 Atm.") oder Kälte (—10°) verdichtet sich dasSchwefeldioxyd zu einer farblosen Flüssigkeit, die bei— 76° krystallin erstarrt; Siedep. —8°. Es unterhältdie Verbrennung organischer Substanzen nicht; einebrennende Kerze erlischt darin. Wasser von 0° löst79.8 Vol. Schwefeldioxyd; die Lösung zeigt alleEigenschaften des Gases. Feuchtes Schwefeldioxydbleicht viele organische Farbstoffe J ) (Blumen). DaSchwefeldioxyd leicht Sauerstoff aufnimmt: SO2 -j- O -f-OH2 = SO4H2, so ist es ein kräftiges Reductions-mittel; Chromate werden reducirt zu Chromisalzen,Permanganat zu Mangano-, Ferri- zu Ferrosalzen, Gold-salze zu Gold 2 ) etc. Die wässerige Lösung des Schwefel-

salze. Das Manganoxydulsalz der Dithionsäure, S2O6H2, entsteht beimEinleiten von schwefliger Säure in eine Suspension von Mangan-dioxyd in Wasser: M1162 -f- 2 SO2 = SaOe-Mn. Die Alkalisalze derTrithionsäure, SsOeHa, bilden sich beim Kochen von primären Sul-fiten mit Schwefelblumen: 6 SO3KH -f 2 S = 2 SsOeKa +S2O3K2 -f- 3 H2 O, und jene der Tetrathionsäure, S4O6H2, bei derEinwirkung von Jod auf Thiosulfate: 2 SsOsNaa -(- 2 J = SiOoNaa-)-2JNa; cf. pag. 286, Anm. 2. Die Pentathionsäure , SsOufig, ist,neben Tetrathionsäure, vorhanden in der sog. Wackenr oder'sehenFlüssigkeit, die man erhält durch Einleiten von Schwefelwasserstoff inwässerige schweflige Säure.

') Daher dient das Schwefeldioxyd zum Bleichen von Seide,Wolle, Stroh, Papier etc.

2 ) I. O2O7K2 + 3 SOa -4- 4 SO4H2 = Cr2(S04> -f 3 SOs +SO4K2 + 4 H2O; II. 3 SO.- : -f- 3 HaO = 3 SO4H2. — I. 2 MnO«K