Druckschrift 
Kurzes Lehrbuch der anorganischen Chemie : ein Repetitorium für Chemiker, Mediciner und Pharmaceuten
Entstehung
Seite
279
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Schwefel.

279

Eisenkies etc., ferner, gebunden an Sauerstoff undMetalle, in Form von schwefelsauren Salzen, wieGyps, S04Ca-2H20, Schwerspath, SO-iBa, u. s. f.Ausserdem ist er ein Bestandtheil vieler organischerSubstanzen; so wird er in den Eiweisskörpern, Muskeln,Haaren, der Galle, in den leimgebenden Geweben u. s. w.angetroffen.

Zur Entfernung der mineralischen Gemengtheile wirdder natürliche Schwefel in grossen meilerartigen Haufenausgeschmolzen, wobei ein Theil des Schwefels als Brenn-material dient. Den derartig erhaltenen »Rohschwefel«destillirt man aus gusseisernen Kesseln und leitet denDampf in grosse gemauerte Kammern, in welchen ersich anfangs durch die rasche Abkühlung als ein feineskrystallines Pulver: Schwefelblumen, Flores sulfuris[Sulfur sublimatum] J ) abscheidet; dadurch, dass sichdie Kammern nach und nach erwärmen, sammelt sichauf deren Boden flüssiger Schwefel an, den man ablässtund in hölzerne Formen giesst: Stangenschwefel,Sulfur citrinum.-)

Der Schwefel bildet mehrere allotrope Modifi-cationen; cf. pag. 188, Anm. 1. Der gewönhnliche,rhombische (octäedrische) Schzvefel findet sich natürlichin schön ausgebildeten rhombischen Pyramiden; spec.Gew. 2.05. Er ist hellgelb, spröde und wird beim Reibennegativ elektrisch. In Wasser unlöslich, löst er sich nurschwierig in Alkohol und Aether, ziemlich leicht inKohlenwasserstoffen, in ätherischen und fetten Oelen. 3 )Das beste Lösungsmittel für Schwefel ist Schwefel-

') Den Schwefelblumen haftet stets etwas Schweflig- resp.Schwefelsäure an und manchmal enthalten sie Schwefelarsen; dieseVerunreinigungen entfernt man durch Digestion mit verdünntem Am-moniak und darauffolgendes Waschen mit Wasser: Sulfur lotum,[Sulfur depuratum],

2 ) Die Rückstände von der Schwefeldestillation verwandte manfrüher in der Thierheilkunde unter dem Namen Sulfur griseum s.caballinum. — Auf Schwefel verarbeitet man ferner Eisenkies, dieSodarückstände; cf. pag. 94, Anm. 1, und die Laming'sche Masse(Gasreinigungsmasse; siehe Eisen).

3 ) Seine Lösung in Leinöl war als Oleum Lini sulfuratumoflicinell; auch in Terpentinöl ist Schwefel leicht löslich.