VI
Vorwort.
Ausgangspunkt der Eintheilung die Radicale fungiren, die selbstwieder in homologe und genetische Reihen gebracht sind. An dieRadicale, welche als Factoren der Eintheilung dieselbe Stellungeinnehmen, wie die Elemente im ersten Bande dieses Werkes,schliessen sich alle ihre Verbindungen und Derivate in einer ge-wissen Reihenfolge unmittelbar an, so dass jedes Radical mit seinenVerbindungen eine Gruppe bildet.
Ebenso werden wohl die meisten Chemiker mit mir darin ein-verstanden sein, dass gegenwärtig eine eingehendere Betrachtungder Typentheorie in einem Lehrbuche der organischen Chemie nichtmehr fehlen darf. Dies zugegeben, kann der Zweck einer solchenaber kein anderer sein, als der, den Leser mit dieser Theorie undihrer Anwendung vollkommen vertraut zu machen. Man mag überihre Berechtigung zur Herrschaft denken wie man will, so wird mandoch nicht läugnen können, dass sie sich für die Fortbildung derorganischen Chemie fruchtbringend erwiesen hat. Es ist gar keineFrage mehr, wenn man den Fortschritten dieser Wissenschaft folgenwill, muss man die Typentheorie kennen.
Dies wird aber durch eine bloss historische Betrachtung, oderindem man die Theorie nur im allgemeinen Theile, oder in einemAnhange entwickelt, kaum erreicht werden können, sie muss viel-mehr an den Verbindungen selbst demonstrirt, sie muss angewendetwerden. Ich habe daher nicht nur im allgemeinen Theile die Grund-züge der Typentheorie in ihrer gegenwärtigen Gestalt eingehender,als dies bisher in Lehrbüchern geschehen ist, entwickelt, wobei ichmich einer Methode bediente, die mir bei meinen Vorlesungen schonseit Jahren gute Dienste leistet, sondern auch im speciellen Theileneben jener der Radicältheorie durchwegs die typischen Formeln,häufig auch bei Formelgleichungen, angewendet.
In Bezug auf die Bedeutung der sogenannten rationellen For-meln schliesse ich mich ganz den Ansichten an, die Kekule darüberin der Einleitung seines Lehrbuches der organischen Chemie sotrefflich entwickelt hat. Es kann nicht genug hervorgehoben wer-den, dass die typischen Formeln die factische Lagerung der Atomein den Verbindungen weder ausdrücken können noch sollen, dasssie wie rationelle Formeln überhaupt nur ein einfacher Ausdrucksind für die chemische Natur der Verbindungen, ihre Metamor-phosen und Spaltungen, so dass man bei aller üeb er ein Stimmungüber diese in Bezug auf den zweckmässigsten und einfachsten Aus-druck dafür recht wohl verschiedener Meinung sein kann. Ich habedaher der Typentheorie in diesem Lehrbuche so wenig ausschliess-