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Einleitung.
Wichtigkeitder Kristal-lographieund derKrystallfor-men für denChemiker.
Ein und der-selbe Körperkrystallisirtgewöhnlichin bestimm-ten Krystall-formen, diealle demsel-ben Systemeentsprechen.
In dem Mittelpunkt des Krystalles schneiden sieh sämmtliche Axenunter rechten oder schiefen Winkeln. Hierauf, sowie auf der verschiede-nen Länge der Axen beruht die Aufstellung der verschiedenen Krystall-systeme. Man unterscheidet zwischen Haupt- und Nebenaxen. Haupt-axe nennt man gewöhnlich diejenige, die keine analoge im Axensystemehat. Sie ist meist auch die längste.
Die aus diesen Verhältnissen abgeleiteten sechs Krystallsysteme sind:I. das reguläre, tesserale System, II. das quadratische; tetrago-naleSystem, III. das rhomboödrische, hexagonale System, IV. dasrhombische, orthotype System, V. das monoklin o edrische, hemi-orthotypeSystem, VI. das triklinoedrische, anorthotype System.
Die nähere Beschreibung, Entwickelung und mathematische Begrün-dung der Krystallsysteme ist in den Hand- und Lehrbüchern der Kry-stallographie nachzusehen.
Die Krystallographie ist eine für die Mineralogie unentbehrlicheHülfswissenschaft, sie ist aber auch für die Chemie in hohem Grade wich-tig, da die Krystallform keine zufällige, sondern eine wesentliche Eigen-schaft der Körper ist und zu ihrer Zusammensetzung in nächster Bezie-hung steht. Wir bemerken nämlich, dass eine und dieselbe Substanz un-ter gleichen Umständen bei der jedesmaligen Krystallisation eine gleicheKrystallform annimmt, so dass die letztere als ein sehr wichtiges Kenn-zeichen zur Charakterisirung der Körper und als ein Mittel erscheint, sievon einander zu unterscheiden.
Ein und derselbe Körper kann zwar unter ungleichen Umständen inverschiedenen Krystallformen krystallisiren, allein diese verschiedenen For-men gehören dann in der Regel einem und demselben Krystallsysteme an,und lassen sich von gemeinschaftlichen Grundformen ableiten. So kry-stallisirt der Bleiglanz in mehr wie zehn Krystallformen, welche aber alledem L, dem tesseralen Systeme angehören und auf die Grundformen die-ses Systems, auf den Würfel und das reguläre Octaeder zurückzuführensind. Beim Kalkspath kommen sogar mehrere hundert verschiedene Kry-stallformen vor, deren Grundform aber immer ein stumpfes Rhomboederdes hexagonalen (III.) Systems ist.
Diese Regel erleidet jedoch gewisse Ausnahmen, indem einige Kör-per unter gewissen Umständen in verschiedenen Krystallsystemen zu kry-stallisiren fähig sind (s. unten).
Die Bestimmung der Krystallform eines Körpers ist ein sehr wesent-liches Moment seiner Beschreibung. Dieselbe bietet aber zuweilen nichtgeringe Schwierigkeiten dar. Bei den irregulären Systemen sind dasUnterscheidende grössere oder geringere Winkelverschiedenheiten der Kry-stalle, und insofern sind Winkelmessungen zur Constatirung der Identitätder Krystallform zuweilen unerlässlich.
Die genaue Bestimmung der Krystallform durch Winkelmessungengeschieht mittelst eigener Instrumente, der sogenannten Goniometer.