Druckschrift 
2 (1868) Lehrbuch der organischen Chemie für den Unterricht auf Universitäten, technischen Lehranstalten und für das Selbststudium
Entstehung
Seite
601
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Chromogene und Farbstoffe. 601

und bestellen aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff, andere dage-gen sind stickstoffhaltig. Einige sind indifferent, andere von basischerNatur (z. B. Berberin), im Allgemeinen aber neigen die meisten denCharakter schwacher Säuren und verbinden sich mit vielen Metall-oxyden. Besonders gross ist ihre Verwandtschaft zu Bleioxyd, Zinn-oxyd und Thonerde, womit sie unlösliche Verbindungen bilden, die vonausgezeichneter Farbe sind und unter dem Namen Lacke oder Lack-farben in der Malerei angewendet werden. Ein eigenthümliches Ver-halten zeigen ferner die Farbstoffe zur pflanzlichen und thierischen Faser,sie fixiren sich nämlich darauf, d. h. färben sie, direct und dauernd:Substantive Farben, oder sie bedürfen, um sich darauf fixiren zukönnen, ein Bindemittel, welches selbst ebensowohl mit der Faser, wiemit dem Pigmente sich verbinden kann. Derartige Pigmente heissenadjective Farben und die sie auf Geweben fixirenden BindemittelBeizen oder Mordants. Die gewöhnlichsten Beizen sind Alaun, demman Bleizucker oder Weinstein zusetzt, ausserdem essigsaure Thonerde,Zinnsalz, Eisensalze u. dgl. m.

Die Chromogene und Pigmente sind durch den Lebensprocess er-zeugte Materien und die Ursache der charakteristischen Färbung pflanz-licher und thierischer Organe und Gewebe. Dass in den meisten Fällenihre Färbung von ihrer Zusammensetzung abhängig ist, ergiebt sich dar-aus, dass die geringste chemische Veränderung, die sie erleiden, auchihre Farbe verändert, oder aufhebt und dass umgekehrt die Chromogenein vielen Fällen nachweisbar durch chemische Vorgänge, durch Gährung,durch Sauerstoffaufnahmo, durch Ammoniak, in Farbstoff, d. h. gefärbteMaterien übergehen. Die meisten Pigmente und Chromogene sindpflanzlichen Ursprungs, verhältnissmässig wenige kommen im Thierkör-per vor. Die charakteristischen Färbungen der Blumen, Blätter und an-derer Pflanzenorgane rühren von ihnen her. Viele Pflanzen enthaltenaber nur Chromogene, die erst künstlich in Farbstoffe übergeführt wer-den können, oder die sich in bestimmten Phasen der Entwickelung derPflanze in Pigmente verwandeln. Ob wirklich jedem Pigmente einChromogen entspricht, ist nicht mit Sicherheit ermittelt, aber gewiss istes, dass gewisse Pigmente in ihre Chromogene zurückverwandelt werdenkönnen.

Obgleich einige Farbstoffe sehr eingehenden chemischen Unter-suchungen unterworfen und daraus zahlreiche interessante chemischeVerbindungen isolirt sind, so ist doch ihre chemische Constitution nochWenig aufgeklärt und schon aus diesem Grunde scheint es geboten, sieunter einem mehr praktischen Gesichtspunkte zusammenzufassen. IhreBedeutung ist in der That eine vorwiegend technische und physiologische.Viele davon stehen übrigens in der nächsten Beziehung zu den aromati-schen Verbindungen.

So wie die Farbstoffe, die technische Anwendung als Färbematerialfinden, in den Handel kommen und angewendet werden, sind sie keine

Lackfarben.

SubstantiveFarben.

AdjectiveFarben.