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2 (1868) Lehrbuch der organischen Chemie für den Unterricht auf Universitäten, technischen Lehranstalten und für das Selbststudium
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590 Organische Verbindungen unbekannter Constitution.

G 43 H 71 NÖ 10 + 3H 2 © = € 26 H,iNO + 3(€ 6 H 12 © 6 )Solanin Solanidin

Das Solanidin stellt in heissem Alkohol lösliche, farblose Krystalledar, die sich im Kohlensäurestrom verflüchtigen. Es reagirt stark alka-lisch und verhält sich in der That wie eine organische Base. Es vereinigtsich mit Säuren zu Salzen; die salzsaure Verbindung giebt mit Platin-chlorid ein Doppelsalz.

Concentrirte Salzsäure verwandelt das Solanidin in eine weitere nichtgenau studirte starke Base: das Solanicin.

Auch das Solanin selbst hat basische Eigenschaften und giebt mit1 Mol. Säure leicht lösliche Salze.

Amygdiüiii

Bitterman-

delölgäh-

rung.

i

Amygdalin.G 20 H 27 N© n + 3H 2 0

Dieses sehr interessante stickstoffhaltige Glucosid ist bis jetzt nuraus den bitteren Mandeln dargestellt, doch kommt es auch in denBlättern und Beeren von Prunus Lauro-cerasus , in den Blüthen, derRinde und den Fruchtkernen von Prunus Padus, in der Binde und denjungen Trieben und Blättern von Sorbits Aucuparia, in den Fruchtkernender Kirschen, Aprikosen und Pfirsiche und vielen anderen Pomaceen undAmygdaleen vor.

Durch Ausziehen der durch Pressen von fettem Oel befreiten bitte-ren Mandeln mit Alkohol gewonnen, stellt das Amygdalin kleine, farb-lose, perlmutterglänzende Krystallblättchen dar, die geruchlos sind undschwach bitter schmecken. Das Amygdalin löst sich leicht in kochendemWasser und Weingeist, nicht in Aether auf, beim Erhitzen verliert eszuerst sein Krystallwasser und zersetzt sich dann.

Seine merkwürdigste Eigenschaft ist sein Verhalten zu einem in denMandeln überhaupt, den bitteren wie den süssen, enthaltenen Fermente:dem Emulsin. In Berührung mit diesem, sowie bei Gegenwart jener Be-dingungen, die für Gährungsvorgänge wesentlich erscheinen, zerfällt esnämlich unter Aufnahme von Wasser in Bittermandelöl (s. dieses S. 499),Blausäure und Zucker:

G 20 II 27 NO U + H 2 0 = e 7 H e O -f 6NH -f- 2(€ 6 H ]2 0 6 )Amygdalin Bittermandelöl Blausäure Zucker

Es ist übrigens nicht gewiss, ob diese Spaltung der obenstehendenFormelgleichung genau entsprechend vor sich geht, da nach Einigen beidieser Zersetzung auch Ameisensäure auftreten soll.

In kochendem Wasser verliert das Ferment seine Wirkung und hierinist es begründet, dass man nur sehr wenig oder gar kein Bittermandelölerhält, wenn man die zerstossenen Mandeln sogleich mit Wasser zum Sie-den erwärmt. Man muss sie, um eine gute Ausbeute zu erhalten, zuerstmit kaltem Wasser einige Zeit zusammenstellen und dann erst destilliren.