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2 (1876) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Urzeugung.

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Zoologie existirt, die Abtheilung der Infusorien oder Aufgussthierchen,das heisst, der Thiere, die man in Aufgüssen von verschiedenen Dingenfand und züchtete, zum Theil von Dingen, von denen man glauben sollte,dass sie wenig geeignet sind, organischem Leben zu dienen, z. B. in Auf-güssen von Pfeffer. Da man nun solche Thierchen in allen möglichen Auf-güssen entstehen sah, auch in solchen, in welchen anscheinend keineandern solchen Thiere oder deren Keime hineingekommen waren, soglaubten Viele die Generatio aequivoca für die Infusorien aufrecht erhaltenzu müssen.

Da war es in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts namentlichEhrenberg, der durch seine ausgedehnten Untersuchungen über die In-fusorien die Entstehung derselben auf dem Wege der Urzeugung in wirk-samer Weise bekämpfte. Er konnte aber immer nur zeigen, dass die Gene-ratio aequivoca auch für die Infusion höchst unwahrscheinlich sei. Derexperimentelle Beweis, dass sie auch für die niedrigsten Organismen nichtexistire, wurde erst später, und zwar am Ende der dreissiger und amAnfange der vierziger Jahre geliefert von Schultze, von Schwann undvon Helmholtz.

Man wusste seit längerer Zeit, dass man die Gährung, bei der sichbekanntlich ein mikroskopischer Pilz entwickelt, durch hermetischen Ver-schluss hindern könne, dass man sie auch hintanhalten könne durchkleine Mengen von Substanzen, welche dem organischen Leben feindlichsind, so z. B. durch kleine Mengen schwefliger Säure. Darauf beruhtdas Schwefeln des Mostes und der Weinfässer, das ja seit langer Zeitgeübt wurde. Man wusste ferner, dass man die Schimmelbildung durchhermetischen Verschluss hindorn kann. Darauf beruht das Einsieden desDunstobstes. Es wird das Obst zu diesem Zwecke in Gläser hineingelegt,die mit einer Thierblase oder jetzt mit Pergamentpapier verschlossen werden.Dann werden diese längere Zeit auf 100° erhitzt, so dass die ganze Flüssig-keit im Innern die Temperatur von 100° annimmt. Dann nimmt mansie heraus und lässt sie, ohne sie zu öffnen, stehen. Der Process, derhier vorgegangen ist, ist uns jetzt ganz klar. Wir wissen, dass dieKeime des Organischen darin zerstört worden sind, und dass eben derhermetische Verschluss gehindert hat, dass neue Keime hineinkamen unddass deswegen keine Schimmelbildung eintritt.

Alle diese Wahrnehmungen mussten also zu der Idee führen, dasses die Keime des Organischen seien, welche die Schimmelbildung und dieGährung einleiten, und dass eben die Keime des Organischen von aussenhineinkommen, dass sie nicht durch Generatio aequivoca in den Substanzenentstehen.

In der That überzeugte Milne Edwards sich, dass, wenn mandie Aufgüsse, in welchen die Infusorien in Masse entstanden, in einemGlasgefässe auf 100° längere Zeit erhitzte und das Glasgefäss zuschmolz,dann auch die Infusorien sich nicht bildeten. Die Parteigänger derGeneratio aequivoca machten aber geltend, dass man hier den Organismenja die Lebensbedingungen abschneide: man könne nicht erwarten, dasssich mikroskopische Thiere oder Pflanzen entwickeln sollten, wenn manihnen den Sauerstoff der atmosphärischen Luft vorenthalte. Um diesemEinwände zu begegnen, wurden nach einander von Schultze, vonSchwann und von Helmholtz Versuche angestellt, bei welchen atmo-