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2 (1876) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Tastsinn und Geraeingefühl.

uns unangenehm sauer schmeckt, durch Zucker corrigirt werden kann,und dass es auch bis zu einem gewissen Grade durch Kochsalz corrigirtwerden kann; und doch sind Zucker oder Kochsalz keine Substanzen,die die Eigenschaften der Säure neutralisiren könnten. Man muss also zuder Anschauung kommen, dass die Erregungszustände im Centralorganeeinander compensiren, denn man kann nicht annehmen, dass der Zuckeroder das Salz die eine Art von Nerven, die mit welchen wir sauerschmecken, weniger erregbar mache für Säuren. Die Anschauung, dass essich um eine Compensation der Empfindungen im Centralorgane handle,findet auch darin ihre Bestätigung, dass wir nicht sagen können, dass dieGeschmacksempfindung als solche schwächer wird. Wenn Säuren durchZucker oder Salz corrigirt werden, wird die Geschmacksempfindung da-durch nicht schwächer, wir finden unsere Zunge nicht weniger afficirt,aber die Geschmacksempfindung wird weniger unangenehm, weniger lästig-Darauf beruhen die Corrigentia, sowohl in der Koch- als auch in derEeceptirkunst.

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Tastsinn und Gemeingefühl.

Wir gehen zu einem andern Sinne über, zum Tastsinne. Durch denTastsinn haben wir das Vermögen räumliche Vorhältnisse zu unterscheiden,indem wir von der Oberfläche unseres Körpers Localzeichen erhalten,welche zum Centralorgane fortgepflanzt werden. Die Anzahl der Local-zeichen, welche wir von einem gegebenen Stücke unserer Oberflächebekommen können, ist je nach dem Orte dieses Stückes sehr verschieden.Darüber hat Ernst Heinrich Weber eine ausgedehnte Keihe von Ver-suchen angestellt, die darin bestanden, dass er einem Menschen, dessenAugen verbunden waren, zwei Cirkelspitzen aufsetzte und untersuchte,wie weit er diese beiden Spitzen nähern konnte, während sie noch alsdoppolt empfunden wurden, also noch von jeder der beiden Spitzen eingesondertes Localzeichen zum Gehirne gesendet wurde. Er fand auf dieseWeise folgende Entfernungen als die kleinsten für getrennt wahrnehmbareEindrücke:

An der Zungenspitze............ l U Par. Lin.

An der Volarseite des letzten Fingergliedes..... 1 ,,

Am rothen Theilc der Lippen......... 2 ,,

An der Volarseite des zweiten Eingcrgliedes .... 2An der Dorsalseite des dritten Gliedes der Finger . . 3

An der Nasenspitze............. 3

An der Volarseite der Capitula ossium metacarpi ... 3Auf der Mittellinie des Zungenrückens, 1 Zoll weit von der

Spitze.................4

Am Bande der Zunge, 1 Zoll von der Spitze .... 4

Am nicht rothen Thcile der Lippen....... 4

Am Metacarpus des Daumens.......... 4 ,,

An der Plantarseite des letzten Gliedes der grossen Zehe 5Auf der Kückenseite des zweiten Gliedes der Finger . . 5