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2 (1876) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Mittleres Ohr.

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läge zurückkehrt und, ehe sie dieselbe wieder bleibend einnimmt, um die-selbe hin- und herschwingt. Es ist nun klar, dass, wenn die Schwingungs-zahl des Wellen Systems, welches gegen die Membran anrückt, mit derSchwingungszahl des Eigentons übereinstimmt, die Membran, wenn siedurch eine Verdichtungswelle vorgeschoben ist, gerade zurückschwingenwird, während die Verdünnungswelle sie trifft: sie wird also in der-selben Richtung zu schwingen suchen, wenn die nächste Verdichtungs-welle ankommt, sie wird so in die lebhaftesten Schwingungen versetztwerden. Sie wird also stärker mitschwingen, als mit jedem andern Tonund wird diese Schwingungen höchst vollständig an das hinter ihr liegendeMedium, an die Luft, übertragen. Nun hat man sich früher gedacht,der M. tensor tympani habe die Function, das Trommelfell jedes Malso anzuspannen, dass sein Eigenton derart wird, dass es möglichst mitden Tönen, welche ankommen, mitschwingt und deshalb diese möglichstvollkommen an die Luft der Paukenhöhle überträgt. Man sieht aber leichtein, dass sich dies eben nur auf Töne beziehen könnte und zwar aufTöne von einiger Dauer, da ich nur diesen immer auf solche Weise mitder Accommodation des Ohres folgen könnte; dass dies nicht mehrmöglich wäre bei Tönen, die mit grosser Geschwindigkeit wechseln, unddass es gar keinen Sinn haben würde bei Geräuschen, und doch ist unsFeinheit des Ohrs für die Geräusche viel wichtiger als für die Töne.In der menschlichen Sprache sind es gerade die Geräusche, die Con-sonanten, welche viel schwerer zu erfassen sind als die Vocale. DerTaubstummenlehrer sagt von einem Eleven, er habe noeb Vocalgehör,das heisst, er hört noch so viel, dass er die Vocale von einander unter-scheiden kann, aber nicht mehr so viel, dass er die Consonanten unter-scheiden kann. Für das feine Auffasson der Geräusche würde eine solcheAccommodation des Trommelfells gerade sehr nachthoilig sein: denn eineMembran, die in starke Schwingungen versetzt wird und in diesen fort-schwingt, langsam austönt, ist sehr ungeeignet gleich darauf und nochehe sie zur Ruhe gekommen, wieder andere Schwingungen aufzunehmen;weil diese in den noch restirenden Schwingungen oben so vielen Stö-rungen begegnen. Gerade eine Membran, die schlecht mittönt und des-halb gleich wieder zur Ruhe kommt, ist am meisten geeignet, Geräuscheaufzufassen, verschiedenartige Impulse in ganz unregelmässiger Reihen-folge gewissermassen in getreuem Abdruck wieder an die dahinter be-findliche Luft zu übertragen. Ein sehr rasches Austönen aber wirdbekanntlich durch das Princip der Dämpfung erzielt, dadurch dass dieschwingende Membran mit andern, sie belastenden und hemmenden festenKörpern verbunden ist, an welche sie beim Schwingen diejenigen leben-digen Kräfte überträgt, die sie nicht beim ersten Impulse an die Luftübertragen hat. Es ist bei Weitem wahrscheinlicher, dass der ganzeApparat der Gehörknöchelchen in Rücksicht auf das Trommelfell mehrals Dämpfer dient, als dass er zur Accommodation des Trommelfells fürTöne von verschiedener Höhe verwendet wird.

Wir haben aber gesehen, dass der Hammer mit dem Hammermuskeldas Trommelfell nicht allein anspannt, sondern dass er es concav in einerbestimmten Form anspannt, und Hclmholtz hat in neuerer Zeit daraufaufmerksam gemacht, dass gerade diese Concavität des Trommelfells eineBedeutung für die Mechanik des Hörens habe. Er sagt: Es kommt darauf

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