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2 (1876) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Mittleres Ohr.

I

Hören sehr wenig erschweren. Es ist bekannt, dass ein Schall in seinerFortleitung am meisten durch fein vertheilte, feste Körper gehindertwird. Wenn man sich vor dem Clavierspiele eines Nachbars, von demman durch eine doppelte Thiirc getrennt ist, schützen will, so fülltman den Zwischenraum zwischen den Thüren mit Heu oder Stroh aus,um durch die zahlreichen Reflexionen, die die Schallwellen an denvielfach vertheilten festen Körpern erleiden, die Töne zu schwächen.Nun ist aber der äussere Gehörgang mit Haaren besetzt, die in denspäteren Lebensjahren oft eine bedeutende Länge erreichen, ja büschel-förmig zum äusseren Gehörgang herauswachsen können, ohne dass da-durch das Hören wesentlich beeinträchtigt wird. Man kann sich fernerüberzeugen, dass ein Baumwollenbausch, lose in den äusseren Gehörganggesteckt das Hören nur wenig hindert: man muss erst den Gehörgangförmlich tamponiren, um sich in hohem Grade harthörig zu machen. Eshängt dies offenbar mit der Kürze des Weges zusammen, den der Schallim äusseren Gehörgang zurückzulegen hat.

Trommelfell und mittleres Ohr.

Vom äusseren Gehörgange gelangen die Schallwellen an das Trommel-fell. Das Trommelfell ist eine fibröse Platte, welche aus einer äusserenradiären Lage von Easern besteht und aus einer inneren ringförmigen, diean Rande stärker ist, nach innen gegen das Centrum hin schwächer wird.Nach aussen, sagt man, gehe die Cutis über dasselbe hin. Das, was abervon der Cutis über das Trommelfell hingeht, besteht in einigen Elementenvon gemeinem Bindegewebe und dem äusseren Epithel des Trommelfells,welches hier als eine Fortsetzung des Oberhäutchens des äusseren Gehör-ganges erscheint. Nach innen setzt sich in ähnlicher Weise die Aus-kleidung der Trommelhöhle fort. Die Trommelhöhle ist mit einem binde-gewebigen, gefässreichen Ueberzugc ausgekleidet, der ein Flimmerepithelträgt. Ein Theil dieses Bindegewebes setzt sich fort auf das fibröse Ge-webe des Trommelfells, und ebenso setzt sich das Epithel, welches dieTrommelhöhle auskleidet, flacher werdend auf die innere Oberflächedes Trommelfells fort. Es soll hier beim Menschen in der Regelnicht flimmern, so wie auch am Promontorium die Flimmern vermisstworden sind: in einigen Fällen ist jedoch ein deutliches Flimmerepithelauf der Innenfläche des Trommelfells auch beim Mensehen beobachtetworden.

Das Trommelfell kann durch den Hammer concav angespannt werdenund ist für gewöhnlich concav angespannt. Hiebei wirkt bekanntlich einMuskel, der M. tensor tympani seu M. mallei internus. Es fragt sichnun: Welchen Nutzen hat diese Anspannung des Trommelfells? Man hatden M. mallei internus im Zusammenhang mit dem M. stapedius früher alsden Accomniodationsmuskel des Ohres angesehen. Dies beruhte auf folgen-der Betrachtung. Wenn gegen eine gespannte Membran ein Zug vonSchallwellen ankommt, so wird die Membran dadurch in Schwingungenversetzt. Jede gespannte Membran hat nun ihren Eigenton, der sich mitder Spannung ändert. Das ist der Ton, den man hört, wenn man die Mem-bran anschlägt, und der dadurch entsteht, dass die angeschlagene Mem-bran mit Schwingungen von einer gewissen Dauer in ihre Gleichgewichts-

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