Druckschrift 
2 (1876) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
Entstehung
Seite
219
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Gehör

219

Verdichtungswelle und eine Verdünnungswelle hinter einander nachallen Seiten mit gleicher Geschwindigkeit fort und zwar bei der Tem-peratur von 0° mit einer Geschwindigkeit von 333 Metern in derSecundo.

Hieraus ergibt sich schon das Gesetz für den Schall, dass seineIntensität abnimmt mit dem wachsenden Quadrate der Entfernung. Daserklärt sieh einfach folgendermassen. Durch die Schallquelle wird einegewisse Summe lebendiger Kraft erzeugt: diese wird an die Luftschichtübertragen, welche die Schallquelle zunächst umgibt, hierauf an dienächste u. s. f. und da der Schall sich nach allen Eichtungen mitgleicher Geschwindigkeit fortpflanzt, bilden die Schallwellen immerKugelschalen. Nun hängt aber die Intensität des Schalles von den leben-digen Kräften ab, welche in den einzelnen Molekülen thätig sind, undda die Summen der in Bewegung gesetzten Moleküle wie die Oberflächender Kugelschalen, also wie die Quadrate der Kadien, wachsen, so müssendie lebendigen Kräfte der einzelnen Moleküle in gleichem Masse ab-nehmen und mit ihnen die Intensität des Schalles.

Ich habe gesagt, dass die Moleküle nach allen Seiten hin gestossenwerden, und dass dadurch die Sehallwelle entsteht. Ich habe also ange-nommen, dass die Moleküle bei ihrer Schwingung sich in der Bichtungbewegen, in welcher sich die Schallwellen fortpflanzen, nicht, wie beidem Lichte, in einer Ebene senkrecht auf die Eortpfianzungsrichtung.Es sind also hiernach die Schallwellen Longitudinalwellen, und wennwir sie graphisch darstellen, indem wir die Verdichtungswelle als einenWellenberg und die Verdünnungswelle als ein "VVellenthal darstellen, sotragen wir in den Ordinaten nicht die Verschiebung der Moleküle in ihrerwirklichen Lage auf, sondern wir tragen sie nur ihrer Grösse nach auf,senkrecht auf die wirkliche Bichtung der Verschiebung. "Wenn wir unseine Verdichtungswelle und eine Verdünnungswelle vorstellen wollen, somüssen wir sie uns als eine Beihe von Punkten vorstellen, die vonStrecke zu Strecke einander angenähert und von Strecke zu Streckeweiter von einander entfernt sind.

Wenn nun eine solche Welle an unser Ohr schlägt, so bringt sieeinen Schall hervor: treffen mehrere Stösse in unregelmässiger Beihenfolgeunseren Gehörsnerven, so entsteht das, was wir ein Geräusch nennen.Wenn aber eine Beihe von Stössen in periodischer Beihenfolge so raschauf einander folgt, dass der Eindruck des ersten Stosses noch nicht er-loschen ist, wenn schon der zweite kommt; so entsteht dadurch eineoontinuirliche Empfindung, welche wir mit dem Namen der Tonempfin-dung bezeichnen. Die Empfindung hoher Töne wird hervorgebrachtdurch Stösse, welche rasch aufeinander folgen, und die Empfindung tieferTöne wird erzeugt durch Stösse, die langsamer aufeinander folgen. Da dieSchallschwingungen sich nach den Gesetzen der Wellenbewegung fort-pflanzen, so müssen sie natürlich auch nach den Gesetzen der Wellen-bewegung reflectirt und nach den Gesetzen der Wellenbewegung ge-brochen werden. Sie werden nach den Gesetzen der Wellenbewegungreflectirt, indem ein Schallstrahl, der auf eine feste Wand fällt, von der-selben zurückgeworfen wird unter demselben Winkel, unter dem er ein-gefallen ist. Er wird aber nicht zurückgeworfen mit der ganzen Stärke,mit welcher er eingefallen ist, weil ein Theil der lebendigen Kraft der

I

i

i