Entommatisclics Sehen,
203
eben nur Veränderungen an unserer Netzhaut wahrnehmen, das Bleibendeaber für uns ein für alle Male verborgen ist. So bemerken wir auch denblinden Fleck für gewöhnlich nicht, welcher durch die Eintrittsstelle desSehnerven gegeben ist. Wenn nun aber im Auge irgendwo eine Licht-quelle gebildet wird, vermöge welcher die Netzhautgefässe ihren Schattenauf einen andern, auf einen ungewöhnlichen Ort werfen, dann sehen wirden Baum der Netzhautgefässe. Das geschieht beim Purkinjß'schen Ver-suche in der Weise, dass, wenn man eine Lichtquelle im indirecten Sehenanbringt, diese auf der sonst dunklen Netzhaut irgendwo seitlich einFlammenbild hervorbringt; von diesem geht Licht nach allen Seiten aus,und in diesem werfen die Netzhautgefässe einen Schatten am ungewöhn-lichen Orte. Dieser Schatten ist es, welchen wir als Purkinje'sche Ader-figur bezeichnen.
Heinrich Müller hat dieses Flammenbild, das als Beleuchtungdienen soll, an Ort und Stelle dadurch hervorgebracht, dass er eineSammellinse neben dem Auge aufstellte und die Strahlen einer Lichtquelledurch diese Sammellinse auf einen Punkt der Sclerotica concentrirte, sodass sie durch die Sclera und die Chorioidea hindurchgingen und auf derNetzhaut einen Lichtpunkt bildeten, von dem aus sie wieder divergirten,und so einen anomalen, sichtbaren Gefässschatten hervorriefen. Auf dieseWeise kann die Purkinje'sche Aderfigur noch deutlicher zur Erscheinunggebracht werden, als nach dem Verfahren, welches Purkinje selbst ein-geschlagen hatte.
Heinrich Müller hat zugleich diesen Versuch benützt, um einewichtige Thatsache zu eruiren, die f hatsacho, dass die Netzhautelemente,die als erste Angriffspunkte für das Licht dienen, nicht an der vorderen,sondern an der hinteren Fläche der Netzhaut liegen. Wir haben schongesehen, dass die Figur deutlicher wird, wenn die Lichtquelle sieh bewegt.Heinrich Müller hat seine Lichtquelle durch Hin- und Herschieben derLinse bewegt und bemerkt, dass sich dann auch die Aderfigur im Seh-felde bewegte. Nun sehen Sie leicht, dass das nicht wohl möglich wäre,Wenn der Angriffspunkt für das Licht ganz vorne auf der Netzhautliegen würde, da, wo die Gefässe selbst liegen. Wenn ich ein solchesGefäss einmal von der einen, das andere Mal von der andern Seitebeleiichte, so wird dadurch die Lage dos Schlagschattens in einer Ebene, diemit der, in der das Gefäss selbst liegt, nahezu zusammenfallt, nicht merk-lich verändert. Wenn aber die auffangende. Fläche für den SchlagschattenWeiter nach hinten liegt, dann fällt bei Beleuchtung von verschiedenenSeiten auch der Schlagschatten an verschiedene Orte derselben, er inusssich also auf ihr verschieben, wenn die Lichtquelle bewegt wird. HeinrichMüller mass nun die Verschiebung der Lichtquelle und zugleich auchdie Verschiebung, die die Aderfigur im Sehfelde erlitt, und berechnetedaraus, wie weit die auffangende Fläche hinter den Gelassen liegenmüsse. Er kam zu dem Resultate, dasshintersten Schichte der Netzhaut, alsoliegen müsse.
die auffangende Fläche in derin der Stäbchenzapfenschichte,
Der
Gefässbauni isteinem
uns für gewöhnlich nicht sichtbar, weil
er
sich ruhend an einem und demselben Orte befindet und seinen Schattenimmer an einen und denselben Ort wirft; aber die sich bewegenden Theiledie Blutkörperchen, sind uns unter Umständen schon mit freiem Auo-e
fe
I