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2 (1876) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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2 Nervensystem.

reissen der Nervenfaser den Axencylinder eine kürzere oder längereStrecke lang aus der Scheide und den darin befindlichen Besten desMarkes heraushängen zu sehen. Ein anderes Hülfsmittel, das von Pflüg erangegeben ist, besteht darin, dass man ein Stück eines ganz frischenNervenstammes, ohne Wasser hinzuzufügen, auf dem Objectträger zerzupftund dann einen Tropfen Collodiumlösung darauf setzt; dann infiltrirt sichdie Nervenfaser mit Collodium und nun sieht man im Innern derselbenden Axencylinder verlaufen. Noch viel besser kann man den Axencylindersehen an gehärteten und gefärbten Präparaten. Man nimmt ein Stückvon einem Nerven oder ein Stück des Rückenmarks und legt es inChromsäure, worin es sich soweit erhärtet, dass man es in dünne Schnittezerlegen kann. Diese dünnen Schnitte bringt man in eine ammoniakalischeKarminlösung. Dann färbt sich zuerst der Axencylinder; das Nervenmarknimmt die Färbung schwierig an, so dass zu einer Zeit, wo der Axen-cylinder schon tief roth gefärbt ist, das Nervenmark noch völlig weiss ist.Dann sieht man auf Längsschnitten den gefärbten Axencylinder durch-schimmern und auf Querschnitten sieht man im Centrum den schön rothgefärbten Axencylinder, rundum das Mark und nach aussen davon einenContonr, welcher die Scheide der Nervenfaser darstellt. So schön dieseBilder sind, so sind sie indessen, wie Fleischl nachgewiesen hat, dochin hohem Grade unwahr. Man hat hier nur das geschrumpfte Gerinnseldes eigentlichen Axencylinders, wie er im Leben existirt, vor sich. Desletzteren Consistenz ist wahrscheinlich so gering, dass man sich, wiedies ja bei lebenden Gebilden öfter der Fall ist, schwer entscheidenkann, ob man ihn fest oder flüssig nennen soll. Wenn man Stücke einesund desselben Nerven oder eines und desselben Eückenmarks in Chrom-säure, in Alkohol und in Ueberosmiumsäure härtet, so ist der Axen-cylinder in den in den beiden letzteren Flüssigkeiten gehärteten Prä-paraten immer viel dicker im Verhältnisse zum Mark, und an Längs-schnitten von Chromsäurepräparaten sieht man oft statt des geradenStranges, den der Axencylinder darstellen soll, einen vielfach ange-schwollenen, ja ganz unregelmässigen, mit einer Menge von seitlichen,hernienartigen Ausstülpuugen, die sich weit in das Mark hinein er-strecken, versehenen. Besser conservirt der Axencylinder seine Gestalt insehr verdünnter Ueberosmiumsäure, man kann ihn auch hier auf Quer-schnitten sehr schön erkennen, wenn man die Säure so lange einwirkenlässt, dass sich das Mark dunkel färbt, nicht aber der Axencylinder.

Der Axencylinder zerfällt häufig an seinem peripherischen Ende insehr feine Fäden. Diese Theilung in feine Fäden kann sich auch, einekürzere oder längere Strecke weit, in den Axencylinder hinauf fortsetzen.Wenn aber in neuerer Zeit angegeben worden ist, dass der Axencylinderüberall aus einer grossen Menge von ausserordentlich feinen Fäden be-stehe, welche sich sogar durch die Ganglienzellen, aus denen der Axen-cylinder, wie wir später sehen werden, entspringt, hindurch fortsetzensollen, so ist dies etwas, wofür der Beweis vorläufig noch mangelt.

Es ist überhaupt schwer, etwas Bestimmteres über die Structur desAxencylinders auszusagen, weil wir so wenig Gelegenheit haben ihn imlebenden, im ganz frischen und unveränderten Zustande zu untersuchen.

Der Axencylinder ist offenbar der wesentliche Theil der Nerven-faser, in welchem die Fortleitung der Nervenerregungen stattfindet, denn