"V*. *. M
Nervensystem.
Allgemeines.
Wir haben uns jetzt mit der Physiologie des Nervensystems zu be-schäftigen. Ehe wir darauf eingehen, müssen wir uns zuerst näher mitden Formbestandtheilcn des letzteren bekannt machen. Man theilt dieElemente des Nervensystems ein in zellige und in faserige.
Man kann das Nervensystem vorgleichen mit dem Tclegraphensystemeeines Staates, wo dann die zelligon Elemente die aufgestellten Apparatevorstellen, während die faserigen, die Nervenfasern, die Drahtleitungenvorstellen, auf welchen die Impulse, einerseits vom Centrum gegen diePeripherie, andererseits von der Peripherie nach dem Centrum beförderlWerden. Man muss dann das Gehirn und Kückenmark ansehen als diegrosse Telegraphenstation der Hauptstadt und die in den verschiedenenTheilen des Körpers zerstreuten Ganglien als die Stationen der kleinerenOrte. Wie wir später sehen werden, lässt sich dieser Vergleich nicht imEinzelnen durchführen und aufrechterhalten, im Grossen und Ganzen kannman ihn aber gelten lassen.
Wenn an einer Nervenfaser Alles, was daran vorhanden sein kann.Vorkommt, so besteht sie aus der Scheide, einer membranösen, röhrigenHülle, aus dem Marke und aus dem Axoncylinder, nach seinem EntdeckerPurkinje, der Purkinjc'sche Axoncylinder genannt. Er wird auchbezeichnet mit dem Namen des Kemak'sehen Bandes. Der Axencylinder istlur ausnahmsweise an der frischen Nervenfaser zu sehen, bisweilen da-durch, dass er an abgerissenen Enden heraushängt; meist muss man sichkünstlicher Mittel bedienen, um ihn sichtbar zu machen. Das Nerven-mark besteht theils aus Eiwcisskörpern, thcils ans Cerebrin, Lecithin,Cholesterin und aus Fett, also aus Körpern, von denen ein grosser Theil1[ i Alkohol löslich ist. Man nimmt ein Nervenbündel und kocht es inAlkohol aus. Nachdom dies geschehen, zerfasert man es. Das Nerveu-mark ist nun krümlich geworden und man sieht in demselben den Axen~e ylinder als einen centralen Strang verlaufen. Er ist aber durch dasAuskochen mit Alkohol stark geschrumpft, auf die Hälfte oder ein Dritt-tteil seines wahren Durchmessers. Häufig gelingt es auch beim Zer-Bracke. Vorlesungen II. 2. Aurt. 1
Hfl